18.05.2015

Vorstellungen RUANDA-MEMORY und KUNSTPREIS-Verleihung

Am 28./29.Mai 2015 jeweils um 20.00 Uhr 
zeigen wir im Societaetstheater Dresden unsere Inszenierung 
RUANDA-MEMORY. Eine Geschichte in neun Objekten.



Mit Geschichten, Erinnerungen und Berichten die sich anhand von neun Objekten entspinnen, versuchen wir, die Geschehnisse um den Völkermord in Ruanda 1994 zu verstehen und uns zu fragen, in welcher Verbindung wir zu dieser Katastrophe stehen. 
Ein Personalausweis, ein Radio, eine Machete, ein Fussball, eine Flasche Primus-Bier, ein UN-Blauhelm, ein Faxgerät, eine Wellblechplatte und der Laptop, mit dem wir z.B. diesen Blogeintrag machen, legen Fährten, um eine Menschheitskatastrophe, die zwar weit von uns geschah und doch Tief in unseren Alltag greift, nachzuzeichnen.



TEAM:

Sabine Köhler, Heiki Ikkola - Idee und Performance.
Tobias Herzz Hallbauer - Musik.
Bärbel Haage, Rita Hausmann - Mitarbeit Ausstattung.
Tanja Mette-Zimmermann - Mitarbeit Text, Dramaturgie.
Judith Hellmann - Produktionsmanagement.
Jean Sebastian Nass - Fotografie, Grafik
Josia Werth - Licht



 
Eine Produktion von Cie. Freaks und Fremde.
Gefördert durch die Kulturstiftung Sachsen, die Landeshauptstadt Dresden und das Societaetstheater Dresden.

Am 29.Mai 2015 gibt es dann außerdem die Verleihung des Kunstpreises der Stadt Dresden an Sabine Köhler und Heiki Ikkola aka Cie. Freaks und Fremde im Schloss Albrechtsberg. Wer dabei sein möchte und noch keine offizielle Einladung von der Stadt Dresden erhalten hat, gebe uns bitte bescheid. 

03.05.2015

FREAKSHOW reist in die Steiermark




Zur Eröffnung des Festivals Sommertraumhafen in der Steiermark spielen wir am 07.Mai 2015 auf Schloss Farrach und am 08.Mai 2015 in der Burgstalltenne Wies: 
FREAKSHOW - THE BEST IN TOWN!



Aus dem Bodensatz des Zirkus sind sie auferstanden: Kobolde, Chimären, Mutationen. Von den Side-Shows fahrender Schausteller, von Phantasmagorien und Geisterbahnen haben sich Sabine Köhler und Heiki Ikkola zu Ihrer Freakshow inspirieren lassen. 
Besuchen Sie den Menschenzoo, lassen Sie sich vom Blutrausch des Werwolfs überwältigen! Erleben Sie die Fischdame und die schwebende Jungfrau! Sehen Sie die Geburt eines Bastards! Hören Sie die längste Schimpfrede der Weltliteratur und lassen Sie sich von Traumbildern verführen. Seien Sie Voyeur beim Blick in Ihr eigenes Spiegelzerrbild! Folgen Sie uns auf den polyglotten Rummelplatz der Verrenkungen und Verbiegungen! 
Diese Freakshow ist eine Hommage an das Fremde, das Absonderliche, das Andere.     
 
FREAKSHOW is paying homage to the weird and wonderful - inspired by vagrant sideshows, by ghost trains and phantasmagoria the show already travelled as far as Pakistan and Siberia.  This puppet-show was developed for a theatre-festival, being held in Dresden/Germany each year- where experimental theatre and dance, street-artists and performances not quite fitting in the frame of mainstream- are shown in a number of circus tents in a market-like atmosphere.   Up until the beginning of the last century people with special features or abilities where exhibited at “sideshows”, at fairs and markets all over Europe. Called “Curiosities”, “Freaks” or “Jokes of nature” they have a long history of stirring up people’s emotion and fantasy by simply questioning the line between normal and abnormal.  They are rising from the sediment of the circus: goblins, hybrids, mutations.  Sabine Köhler and Heiki Ikkola playfully use a wide spectrum of animation and puppetry, they show confusing metamorphoses and grotesque dances, adding a little sip of anarchy and a pinch of sarcasm to the mixture - thus creating a funny, black-humored performance playing with the conception of normality.  
Visit the human zoo! Be overwhelmed by the bloodlust of the werewolf! Experience the fish - lady and the levitating beauty! Be there at the birth of a bastard - boy! Enjoy the longest volley of abuse of world literature! Allow yourself to be tempted by illusion and imagination! Be the peeping tom watching his own contorted mirror image! Follow us to the polyglot fairground of contortion and bending! Welcome to the “Freakshow”!


Das Team 
Regie / Ausstattung / Performance  Sabine Köhler und Heiki Ikkola
Sound / Musik    Daniel Williams
Licht      Josia Werth
        
 Presseresonanz:  
“Heiki, Sabine´s homage to weird, wonderful! Freak Shows stunning visuals and humour enthralls the audience not used to such artistic treat. The German artists Heiki Ikkola and Sabine Köhler have certainly been successful in reaching out to Pakistani audiences. They are presenting it for the third time at Peeru´s Theatre this Sunday. It is homage to the realm of weird and wonderful that keeps spectators coming back for more …” / The Nation, Lahore

“Spass am Spiel mit dem Fremden, am Grotesken und Trashigen zeigte auch die Freakshow. Mit Masken, die teilweise aus anderen Stücken stammen – etwa der Eisbär aus “Fremde”  -, Figuren und Ganzkörperkostümen entsteht eine Nummernrevue der körperlichen Absonderlichkeiten, die an ein Jahrmarktsvergnügen erinnert, das es (glücklicherweise) nicht mehr gibt, das im Puppenspiel aber zu neuer Geltung kommt und mit dem über die Jahrhunderte unveränderten Voyeurismus der Zuschauer spielt.” / Mascha Erbelding - Double – Zeitschrift für Figuren- und Objekttheater

“Zu einer Entdeckung wurde die Freakshow der deutschen Theatergruppe aus Dresden im Theater für Junge Zuschauer. Früher wurden Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und besonderen Körperformen auf den Jahrmärkten in ganz Europa gezeigt. „Späße der Natur“, „Wunderlinge“, „Unholdschau“ – diese Vorstellungen mit der jahrhundertelangen Geschichte prickelten Menschenphantasie und Emotionen, behandelten die Frage nach der Grenze zwischen dem Normalen und Unnormalen. In dieser Schwarzhumor-Performance spielen die Akteure mit den Begriffen „Norm“ und „menschliche Beziehungen“. Der Performance folgte ein langes interessantes Gespräch zwischen den Zuschauern und den Darstellern.” / Website des Zentrums für deutsch-russische Kultur Khabarovsk 

„Die Freakshow – The Best In Town ist roh und direkt und hemmungslos morbide. Heiki Ikkola in seiner drahtig-schlanken Gestalt zeigt eine manchmal flirrende Beweglichkeit, mit einer Spur Slapstick. Seine Partnerin Sabine Köhler zaubert aus ihrem beweglichen Körper allerlei Freaks. Die Freakshow funktioniert gut, fast immer wird die Balance gehalten zwischen der Show-Dramaturgie, die nach vorn und Tempo drängt, und manchmal subtilen, langsamen Veränderungen der Körper mittels Masken und Kleidung, die fast nie wie erwartet benutzt werden. Einige der zu Freaks verwandelten Akteure sind wirklich verblüffende Einfälle, die zu allerhand Assoziationen herausfordern. Und so trug das Schaubuden-Prinzip, demzufolge die Präsentation der Freaks das Wichtigste blieb. Das Schaubudenpublikum reagierte nach der Freakshow mit nicht enden wollendem Applaus.“  / Waschinskys Generalanzeiger


23.04.2015

Freaks und Fremde zu Gast im Teatr Skorochod St.Petersburg

Cie. Freaks und Fremde ist für ein Wochenende zu Gast in St.Petersburg!
Im Teatr Skorochod spielen wir am 25.April 2015 
DAS SCHWEIGEN DER WELT und FREAKSHOW - THE BEST IN TOWN



Am 26.April 2015 zeigen wir die preisgekrönte Inszenierung ENTE, TOD UND TULPE,
die zusammen mit dem Theater Couturier Berlin entstand.


Wir danken den Initiatoren der Deutschen Woche für die Einladung und freuen uns auf neue Theaterkontakte in Russland.

20.04.2015

Ruanda-Memory im Staatstheater Mainz






Auf Einladung der Landesregierung Rheinland-Pfalz gastieren wir mit unserer Inszenierung RUANDA-MEMORY. Eine Geschichte in neun Objekten im Staatstheater Mainz.

Vorstellungen: 
22.04.2015 um 19.30 Uhr
23.04.2015 um 11.00 Uhr in der Studiobühne U17


Die Geschichte um den Völkermord in Ruanda 1994 lässt uns nicht los. Sie führt uns zu grundsätzlichen Fragen menschlichen Zusammenlebens und Weltaneignung. 

TEAM:
Sabine Köhler, Heiki Ikkola - Idee und Performance.
Tobias Herzz Hallbauer - Musik.
Bärbel Haage, Rita Hausmann - Mitarbeit Ausstattung.
Tanja Mette-Zimmermann - Mitarbeit Text, Dramaturgie.
Judith Hellmann - Produktionsmanagement.
Jean Sebastian Nass - Fotografie, Grafik.
Licht - Josia Werth

Eine Produktion von Cie. Freaks und Fremde.
Gefördert durch die Kulturstiftung Sachsen, die Landeshauptstadt Dresden und das Societaetstheater Dresden.

In unserem Projekt Ruanda-Memory setzt sich aus neun ausgewählten Objekten ein unvollständiges Puzzle um die Ereignisse 1994 zusammen. - Was als Memory-Spiel beginnt, verspinnt sich zu einer berührenden Geschichte von Menschen und Menschlichkeit.

Ein Radio, eine Machete, ein Faxgerät, ein Laptop, ein Identity-Card, ein Stück Wellblech, ein Fußball, ein Blauhelm und eine Flasche Primus-Bier werden zu Berichterstattern, zu Handlungsträgern und Zeugen. - Dahinter erscheinen Lebensgeschichten und Berichte, eine Geschichte aus Einzelteilen, biografischen Versatzstücken und offiziellen Verlautbarungen. Hinter den Objekten tauchen die Menschen auf, die diese Objekte produziert, manipuliert und eingesetzt haben. In dem Versuch, das "Nichtsagbare" auszudrücken, hinter die Kulissen zu sehen und Zusammenhänge zu erschließen, die zunächst einmal nicht offensichtlich erscheinen, werden Cie. Freaks und Fremde "die Dinge sprechen lassen". Viele Erzählungen von Überlebenden machen Auslassungen, in denen die Natur, die Leere und Gebäude zum Sprechen kommen. 


Auf der Soundebene wird Tobias Herzz Hallbauer eine Collage aus verschiedenen Elementen erzeugen. Er wird den Klang eines Landes reproduzieren. Der Musiker wird die Radiostation des "Hate-Radios" und seiner Protagonisten untersuchen, Musiktitel des Jahres 1994 werden zu hören sein und lassen damit auch die Frage aufkommen - was habe ich, was hast du im April 1994 getan? Der Diskurs wird zu einer Reise in das Ruanda von 1994 - nicht zuletzt zu der Frage, was eigentlich Menschlichkeit ist, und was sie so zerbrechlich macht.


Das Gastspiel wurde möglich durch die Einladung der Kooperation Rheinland-Pfalz / Ruanda und mit Unterstützung durch:
Engagement Global - Human Help Network - Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur
Rheinland-Pfalz.

13.04.2015

THE SHOW IS GOING ON! - LAB Circus N°3 / 18.04.2015

Der LAB CIRCUS öffnet die Tore zur dritten Performance Musik Party Nacht im morbid-poetischen Ambiente des LAB 15, vielen noch bekannt als DEREVO-Laboratorium.

Der LAB CIRCUS vereint Theater, Konzert, Party, Lounge und Szenetreff an einem Abend. Auch in der dritten Ausgabe langen wir wieder kräftig zu, Euer Zuspruch uns übermütig gemacht!



DIE PERFORMANCES:

Zur Eröffnung zeigt die Cie.Freaks und Fremde zum allerallerallerletzten Mal nach über 800 Vorstellungen ihre Kult-Inszenierung:  
Die Geschwister Grimmig spielen DER WOLF UND DIE SIEBEN GEISSLEIN!!!
Märchen und Anarchie für alle Generationen.
WINDOWS-PERFORMANCE. 
VERTICAL ROPE. Charmante Akrobatik mit Sarah Pfeiffer.
Dresdens beste Tanz-Companies und Solo-Tänzerinnen geben sich die Ehre:
Katja Erfurth (nominiert für den Sächsischen Tanzpreis) - BOLERO !
Carola Tautz tanzt den Sterbenden Schwan.
the guts company.
JuWie Dance Company zeigt das aktuelle Stück Schotten dicht!
und einen Ausblick auf Addicted to ...
Cie.Freaks und Fremde/Erfurth/Tautz präsentieren:
THE SEVEN DEADLY SINS. 

Mit dem  "LAB Space"  bieten wir zudem einen Experimentier-Ort,
an dem Kunst praktisch und im Diskurs befragt wird, ein Diskurs-Tanz- und Debattier-Club.
Presented by Daniel Williams, Johanna Roggan, Sabine Köhler, Romy Schwarzer, Jule Oeft.

DIE BANDS:

Kuya (Soul/Jazz/Reggae)
Buckijit (Balkan-/Scandinavian Folk)
Herr Mischa und sein Bär (russischer Folk/Pop)
Ryan O Reilly (Folk/Rock)
The Jewish Monkeys (Klezmer/Balkan/Beat)
DIE DJs:

The Moroders (elektronische Live Performance)
Sir Vivor (Reggae/Soul)
Les Chats de nuit (Swing/Balkan/Beat)
FEUER, DANGER BAR, PARTY-BUS, SHISHA BAR, BÄRBEL HAAGE's MINI-KINO, SURPRISES, FOOD AND DRINKS ...

Wir freuen uns auf Euer Kommen, wir haben das LAB 15 für euch herausgeputzt. + + + Ein Abend, der auf wunderbare Weise Bühnenkunst und Party verschmilzt. + + + Zeitgenössischer Tanz + + + Eine surreale Bildershow aus Tanz, Objekten, Masken in die Abgründe der sieben Todsünden + + + Charmante Akrobatik. + + + Windows-Performance. + + + Musik zum Lauschen und Tanzen +++ Und schließlich kein Halten mehr auf dem Dancefloor + + + nicht zu vergessen: allerhand Überraschungen in dunklen Ecken und unter den Birken + + + Fürs leibliche Wohlergehen ist gesorgt!


11.04.2015

Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor

 Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor 

von Martin Baltscheit

Sonntag, 12.April 2015 um 17.00 Uhr - Societaetstheater Dresden



Hier eine Kritik von unserem Gastspiel bei den Dachauer Theatertagen aus der Süddeutschen Zeitung:
„Echtes Mitgefühl. – Die Geschichte vom Fuchs, der dement wird, und ein gerührt begeistertes Publikum. – Der Fuchs ist ein toller Hecht. Die jungen Füchse bewundern ihn. Er kennt alle Tricks, jeden Schleichweg, er ist unbesiegbar. Doch eines Tages vergisst er auf der Hasenjagd, was er eigentlich wollte. Einige Zeit später steht er angezogen unter der Dusche. Er verwechselt Fährten, frisst Gemüse und feiert Weihnachten im Frühling. Schließlich weiß er nicht mehr, dass er ein Fuchs ist. Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor ist ein Stück über Demenz. Was Sabine Köhler, Heiki Ikkola und Frieder Zimmermann auf der Bühne zeigen, ist phänomenal. Mimik und Ausdruck der beiden Schauspieler ziehen einen restlos in ihren Bann. Ikkolas Darstellung des arglosen Hasen, eines blökenden Schafes und des Fuchses, der sich im fortgeschrittenen Stadium seiner Demenz mit einer Amsel unterhält, ist grandios. Wunderbar ist die Szene, in der Sabine Köhler als Fuchs einen Brombeerbusch leer frisst. Zimmermanns Musik intensiviert das Stück und lässt die Zuschauer tief in die Gemütswelt des Tieres blicken.
Es gelingt den Künstlern, das Thema Demenz witzig und nachdenklich zu gestalten. Sie nehmen die Perspektive des Fuchses, also des Dementen, ein. Das ist per se schon eine Leistung. Darüber hinaus kommen sie aber auch ohne den kleinsten Anflug von Selbstmitleid aus. Das Geschehen auf der Bühne ist überraschend wild, lebendig und abenteuerlich. Der Zuschauer folgt dem Fuchs nicht auf seinem Leidensweg, sondern begibt sich durch dessen Augen auf eine Reise in eine Welt, die dem Leidenden erscheint wie ein Wunderland. Die Geschichte geht einem ans Herz, ohne Mitleid zu erwecken.
Aber wie soll es mit dem Fuchs weitergehen, der immer unselbständiger wird? Frieder Zimmermann schlüpft in die Rolle des Erzählers: Der Fuchs wußte nichts, er fühlte nur. Ein paar Dinge fielen ihm schwer.  Er findet den Weg nach Hause nicht mehr und spricht unten am Fluss am liebsten mit dem freundlichen Fremden, seinem Spiegelbild. Dann kommen die beiden Sätze, die alles gut werden lassen: Er schlief nicht gern allein. Aber das mußte er auch nicht. Der Fuchs ist zwar dement, aber nicht einsam, denn die jungen Füchse bleiben an seiner Seite. So läßt das Theater sein Publikum beruhigt, wenn auch mit einem melancholischen Gefühl zurück.
Es ist ein zauberhaft gutes Ende. Nicht kitschig, nicht hoffnungslos traurig, sondern irgendwo dazwischen. Die Begeisterung des Publikums ist riesengroß.“
(Süddeutsche Zeitung)


31.03.2015

SONGS FOR BULGAKOW und DUNAJska Vlna im Societaetstheater Dresden

Am 10./11.April 2015 um 20.00 Uhr stehen die nächsten Vorstellungen von SONGS FOR BULGAKOW an - diesmal im Societaetstheater Dresden.

Hier sind die neuesten Kritiken zur Produktionen - viel Spass beim Lesen - wir freuen uns auf Euren und Ihren Besuch! Hier klicken für Tickets oder per Telefon: 0351 - 803 68 10.

Online-Kritik der FIDENA:

"Hemmungslose Sympathie für den Teufel - Von Andreas Herrmann

  Foto: Jean Sebastian Nass
Foto: jsn-media-art.com
Bulgakow zu verstehen, hieße Russland verstehen. Beides ist schwer, aber nötig. Just vor 75 Jahren, genau bis zum 10. März 1940, hielten Bulgakows Freunde Wache am Krankenbett und seine Frau schrieb jedes Wort des Sterbenden mit. Nun, 75 Jahre später, leisten ihm sieben Dresdner Künstler per Hommage Tribut.
 
Man kann sich für die künstlerische Leitung eines solchen Projektes weit und breit keine Verwegeneren vorstellen als die federführende Cie. Freaks & Fremde in persona von Sabine Köhler und Heiki Ikkola, die sich seit neun Jahren internationalen Kooperationen und heiklen Themen widmet und nun die drei Damen der JuWie Dance Company sowie Frieder Zimmermann und Vladimir Vaclavek an diversen, zumeist Saiteninstrumenten, dazu holten.
 
Um das, was passiert, zu verstehen, bedarf es Vorkenntnissen. Zumindest der Untertitel der neuen Dresdner Gesänge für den großen, absurden Sowjetbürger, der sich selbst an einer Ode für Stalin verhob, sollte bewusst sein: „Szenen, Tänze, Lieder, Fantasien – eine Hommage an Michail Bulgakow“. Denn es wartet kein normaler Theaterabend, sondern eine wilde Performance. Die beginnt mit Slapstick – Bulgakow hatte als Zivilarzt, nachdem er zuvor im russischem Bürgerkrieg von der ukrainischen zur Roten Armee „wechselte“, mehreren Damen diverse Körperteile zu amputieren. Sie wird zu Tanz, dann wieder kurz zu Figurentheater mit Fingerspiel, um in einem Bilderrausch zu enden, bei dem ein blauäuiger, nackter Molieré – offenbar als Metapher von Bulgakows Verhältnis zu Stalin – als Puppe dem Treiben seines verhassten Sonnenkönigs entgeistert zusieht und sinnierend über die Trümmer der Macht steigt.
 
Als Köhler kräftig knarzend „Pleased to meet you / Hope you guess my name“ in einer eigenwilligen und dennoch satten Version von „Sympathy for the Devil“ der Stones, wie alle Musik live beeindruckend gespielt, singt, und alle anderen eine pulsierende Don-Stahlstadt mittels Papprollen und unter kräftigem Schwung der roten Fahne auf- und wieder abbauen, wähnt man sich schon in abschließender Hymnenlaune und alsbald auf der angekündigten Russenparty, die korrekterweise Sowjetmugge heißen müsste.
Doch gefehlt, es wird noch einmal dramatisch, nachdem im Song per Zarenmord die Revolution ausgelöst wird: „Was Dich verwirrt, ist wohl, auf welche Art ich mein Spiel treibe“, schrieb Mick Jagger nach Genuss von „Der Meister und Margarita“ (angeblich ein Geschenk von Frau Faithfull) in seinen teuflischen Refrain. Das trifft es gut.

Ikkola, allein unter vier Grazien in einer Show, die von den ausgelösten Assoziationen und Emotionen lebt, zitiert den Meister direkt: „Auf dem weiten Feld der Literatur war ich in der UdSSR der einzige literarische Wolf. Man gab mir den Rat, mir den Pelz zu färben. Ein törichter Rat. Ob gefärbt oder geschoren – ein Wolf wird nie wie ein Pudel aussehen.“ Und einsam sterben, wenn das Rudel abfällt.
 
Draußen vor der Tür ging der Theaterabend am doppelten Premierenwochenende mit insgesamt 500 (!)  Zuschauern sofort in eine Party über: Das ganze Lab 15, ehemals als Derevo-Laboratorium bekannt und noch heute als kreativ genutzte Industriebrache mit dem Charme sowjetischer Kasernen behaftet, war dafür ganzheitlich liebevoll – so mit Freiluftsauna und Toiletten mit Plastevorhang – hergerichtet, die Nacht frostig kalt, aber klar und trocken.
 
Nach dieser Premiere ist eigentlich unvorstellbar, dieses Stück vom Norden der Stadt ins edel sanierte Barockviertel, in dem das Dresdner Societaetstheater an der ehemaligen Straße der Befreiung firmiert, zu transformieren. Doch genau dort, an der Stätte der Koproduktion, ohne jene etliche Freie viel ärger darben müssten, wird das Stück die nächsten Aufführungen erleben. Ein Vorteil des großen Saal wird sein: Das Puppenspiel, vor allem das biografische Fingerspiel in einer Pappkistenbühne, wird für alle besser zu sehen sein."

Kritik in der April-Ausgabe des SAX-Magazin:

"Ein furioses Projekt der Compagnie Freaks und Fremde. - Von Sonja Hauser.
Gestern noch Geheimtipp, heute Kunstpreisträger der Stadt Dresden! Sabine Köhler und Heiki Ikkola haben sich diesen Weg mit ihrer Compagnie Freaks und Fremde in den letzten Jahren hart erarbeitet - mit schrägen Performances, politischem Theater, internationalen Koproduktionen und Inszenierungen, in denen spürbar so viel eigenes Herzblut und good vibrations stecken, das die Zuschauer immer wieder daran teilhaben wollen.
Zuletzt kamen sie in Scharen zur Premiere von "Songs For Bulgakow" in LAB 15 im Industriegelände.  ... Das Fest für Bulgakow (der russische Dichter starb im März vor 75 Jahren) ist eine Mischung aus Theater, Musik und Tanz, das Lebensstationen und wichtige Werke des Meisters umkreist, aber auch dem damaligen wie heutigem Zeitgeist huldigt. So arbeitet sich Heiki Ikkola zu Beginn überdreht als amputierender Arzt ab, der Bulgakow in jungen Jahren war, Dann torkeln die Tänzerinnen der JuWie Dance Company als kopflose Körper gogolmäßig über die Bühne und karikieren mit gefährlich dicht am Publikum fallenden Pappröhren den Aufbau und Fortschritt im Sowjetland. Und Sabine Köhler gibt in bester Stummfilmmanier den russischen Arbeiter, der mit seiner Klappleiter ja gerne schaffen würde, aber nichts zustande bringt.
Man weiß, dass Bulgakow, nachdem er ab 1930 nicht mehr veröffentlicht wurde, persönlich an Stalin schrieb, ein "literarischer Wolf" - einsam und getrieben wirkt diese Figur auf der Bühne, wenn Heiki Ikkola seinen Wolfskopf hervorholt. Natürlich finden sich Textauszüge  aus Bulgakows berühmten Werken wieder: Die Begegnung von "Meister und Margarita" erzählt als poetisches Fingerspiel in einem Papptheater, Szenen seines Stückes "Moliere" als grotesker (Macht)Masken-Tanz. Zum Zentrum aber wird sein Verführer Teufel, der die Geschicke der Menschen durch die Jahrhunderte anheizt und auch die stärkste Szene des Stückes. Sabine Köhler singt "Sympathy for the Devil" von den Rolling Stones und ist für mich die eigentliche Entdeckung des Abends. Eine Künstlerin, die sich über die Jahre gleichermaßen als Puppenspielerin, Schauspielerin, Regisseurin profiliert hat, und nun auch als Sängerin alles gibt.
Die Musik von Vladimir Vaclavek und Frieder Zimmermann hält die Szenenfolge des Abends bis hin zu akrobatischen Einlagen zusammen. Sie malen akustisch slawische wir rockige Stimmungen, geben Tempo und Raum vor. Für die nächsten Vorstellungen ergibt sich aus dieser Komplexität eine besondere Herausforderung: die raumgreifende Inszenierung umzusetzen auf die konventionellen Bühnenverhältnisse des Kooperationspartners Societaetstheater. Wer Freaks und Fremde liebt, wird ihnen dorthin folgen!"


Am 11.April 2015 laden wir im Anschluss an die Vorstellung zu einem Konzert mit der tschechischen Band DUNAJska Vlna ins Foyer des Societaetstheaters ein.

Die Band Dunaj (Donau), durch die Persönlichkeiten wie Iva Bittová, Pavel Koudelka, Pavel Fajt oder Pavel Richter gingen, war für viele Musikfans die überhaupt beste und originelste tschechische Band der 90er Jahre. Ihre Tätigkeit endete im Jahre 1998, als im Alter von lediglich 43 Jahren der Frontmann Jiří Kolšovský starb.
Seit dieser Zeit gingen die Bandmitglieder eigene Wege, widmeten sich neuen Projekten oder begannen in anderen Bands zu spielen. Der Bitte nach einer Erneuerung von Dunaj widerstanden sie hartnäckig.
Doch die Zeiten ändern sich und die dunklen mitreißenden Lieder tauchten erneut an die Oberfläche - als Dunajska Vlna (Donauwelle), in der die Gründungsmitglieder Josef Ostřanský und Vladimír Václavek - gemeinsam mit der Schlagzeugerin Michaela Antalová - erneut ihre Kräfte vereinen. Es warten Songs aus fünf Dunaj-Alben auf Sie - voller Energie, die nicht dorthin zurückkehrt, was war, sondern nach vorne strömt, als Donauwelle. Und neue sind auf dem Weg.
Das Konzert am 11.04.2015 bestreiten  Josef Ostřanský und Vladimír Václavek ohne ihre Schlagzeugerin als intimes unplugged-Konzert. - Wir freuen uns. Die wunderbare Zusammenarbeit mit Vladimir Vaclavek wird für uns unvergesslich sein und so schnell hoffentlich nicht enden!

Dunajska Vlna




 

25.03.2015

Freaks und Fremde Special in der Schaubude Berlin


Mit dem Ende der laufenden Spielzeit verläßt die Künstlerische Leiterin Silvia Brendenal die Schaubude Berlin. Doch zuvor gibt es da noch allerhand spannende Sachen, Gastspiele und ein herrliches Festival. Die Cie. Freaks und Fremde ist vom 27. bis 29.März 2015 zu einem Special eingeladen, an drei Tagen zeigen wir unsere Arbeiten - drei Abende - fünf Stücke.
Wir wollen an dieser Stelle schon jetzt einmal Silvia Brendenal für die wunderbare Arbeit als Künstlerische Leiterin und für die fruchtbare Zusammenarbeit danken!


Das Programm:

27.03.2015 um 20.00 Uhr

RUANDA-MEMORY. Eine Geschichte in neun Objekten.

28.03.2015 um 20.00 Uhr

DAS SCHWEIGEN DER WELT. Eine Theaterreise mit Bildern von René Magritte.

anschließend: FREAKSHOW! - The Best In Town. (Kurzfassung)

29.03.2015 um 20.00 Uhr

Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor.

anschlie0end: allerletzte Vorstellung mit den Gebrüdern Grimmig und den sieben Geisslein!!

 

 Fotos: jsn-media-art.com




19.03.2015

Cie. Freaks und Fremde in der Brotfabrik Bonn

Nach einigen Monaten Abstinenz gastieren wir endlich wieder in der geliebten Brotfabrik Bonn und freuen uns auf einen unserer Lieblingsgastgeber!

Und endlich wieder auf dem Spielplan:
DAS SCHWEIGEN DER WELT. Eine Theaterreise mit Bildern von René Magritte



21.März 2015 / 20.00 Uhr

DAS SCHWEIGEN DER WELT. 

Eine Theaterreise mit Bildern von René Magritte.

Als trauriger, einsamer Clown, als beschleunigter Held im Stile der Stummfilmgrößen Buster Keaton oder Charlie Chaplin erobert Ikkola mit seiner fast an Karl Valentin erinnernden komischen Mimik und Körperlichkeit daraufhin eine Welt, die niemals ist, was sie scheint. Geschickt nutzt er dabei die Mittel des Theaters und des Puppenspiels, um die gegenständliche Welt, die Realität infrage zu stellen.

Spiel: Sabine Köhler, Heiki Ikkola / Musik: Daniel Williams / Licht: Josia Werth

22.März 2015 / 20.00 Uhr

DIE GESCHICHTE VOM FUCHS, DER DEN VERSTAND VERLOR. 

Von Martin Baltscheit.

"Welttheater im Societaetstheater! Humanistisch, phantasievoll, poetisch, artistisch, intelligent, verfremdet - einfach wunderschön! Hoffentlich weiß die Leitung des Hauses und das Publikum das zu schätzen. Danke für diesen Abend!" (Janos Bender, Eintrag in unserem Gästebuch)

Spiel: Sabine Köhler, Heiki Ikkola / Musik: Frieder Zimmermann / Licht: Josia Werth



Fotos: jsn-media-art.com 
 

13.03.2015

Cie.Freaks und Fremde erhält den Dresdner Kunstpreis



Den Kunstpreis der Stadt Dresden erhalten 2015 Sabine Köhler und Heiki Ikkola für die Arbeit ihrer Compagnie Freaks und Fremde. Fishman war natürlich auch bei der Pressekonferenz und machte Bekanntschaft mit den Haifischen, die den Förderpreis erhalten. Sobald Termin und Ort der Verleihung feststehen, teilen wir das hier gerne mit! Wir danken der Jury und vor allem allen Freaks und Fremden für die tolle Zusammenarbeit über die Jahre hinweg. - Wir treffen uns zu einem Fest bei der Preisverleihung!

11.03.2015

Gastspiel in Freiburg - Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor

  Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor 

von Martin Baltscheit

Sonntag, 15.März 2015 um 16.00 Uhr - Fabrik Freiburg Vorderhaus

Wieder auf Tour mit dem Fuchs! Freiburg, Bonn, Berlin, Dresden.

Hier eine Kritik von unserem Gastspiel bei den Dachauer Theatertagen aus der Süddeutschen Zeitung:
„Echtes Mitgefühl. – Die Geschichte vom Fuchs, der dement wird, und ein gerührt begeistertes Publikum. – Der Fuchs ist ein toller Hecht. Die jungen Füchse bewundern ihn. Er kennt alle Tricks, jeden Schleichweg, er ist unbesiegbar. Doch eines Tages vergisst er auf der Hasenjagd, was er eigentlich wollte. Einige Zeit später steht er angezogen unter der Dusche. Er verwechselt Fährten, frisst Gemüse und feiert Weihnachten im Frühling. Schließlich weiß er nicht mehr, dass er ein Fuchs ist. Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor ist ein Stück über Demenz. Was Sabine Köhler, Heiki Ikkola und Frieder Zimmermann auf der Bühne zeigen, ist phänomenal. Mimik und Ausdruck der beiden Schauspieler ziehen einen restlos in ihren Bann. Ikkolas Darstellung des arglosen Hasen, eines blökenden Schafes und des Fuchses, der sich im fortgeschrittenen Stadium seiner Demenz mit einer Amsel unterhält, ist grandios. Wunderbar ist die Szene, in der Sabine Köhler als Fuchs einen Brombeerbusch leer frisst. Zimmermanns Musik intensiviert das Stück und lässt die Zuschauer tief in die Gemütswelt des Tieres blicken.
Es gelingt den Künstlern, das Thema Demenz witzig und nachdenklich zu gestalten. Sie nehmen die Perspektive des Fuchses, also des Dementen, ein. Das ist per se schon eine Leistung. Darüber hinaus kommen sie aber auch ohne den kleinsten Anflug von Selbstmitleid aus. Das Geschehen auf der Bühne ist überraschend wild, lebendig und abenteuerlich. Der Zuschauer folgt dem Fuchs nicht auf seinem Leidensweg, sondern begibt sich durch dessen Augen auf eine Reise in eine Welt, die dem Leidenden erscheint wie ein Wunderland. Die Geschichte geht einem ans Herz, ohne Mitleid zu erwecken.
Aber wie soll es mit dem Fuchs weitergehen, der immer unselbständiger wird? Frieder Zimmermann schlüpft in die Rolle des Erzählers: Der Fuchs wußte nichts, er fühlte nur. Ein paar Dinge fielen ihm schwer.  Er findet den Weg nach Hause nicht mehr und spricht unten am Fluss am liebsten mit dem freundlichen Fremden, seinem Spiegelbild. Dann kommen die beiden Sätze, die alles gut werden lassen: Er schlief nicht gern allein. Aber das mußte er auch nicht. Der Fuchs ist zwar dement, aber nicht einsam, denn die jungen Füchse bleiben an seiner Seite. So läßt das Theater sein Publikum beruhigt, wenn auch mit einem melancholischen Gefühl zurück.
Es ist ein zauberhaft gutes Ende. Nicht kitschig, nicht hoffnungslos traurig, sondern irgendwo dazwischen. Die Begeisterung des Publikums ist riesengroß.“
(Süddeutsche Zeitung)
Die nächsten Vorstellungen:
22.März 2015 um 15.00 und 18.00 Uhr / Brotfabrik Bonn
29.März 2015 um 20.00 Uhr / Schaubude Berlin
12.April 2015 um 17.00 Uhr / Societaetstheater Dresden / 80.Vorstellung