15.06.2018

CARBON im Emschertalmuseum Herne

Unsere neue Inszenierung "CARBON - Eine kleine Weltreise der Steinkohle" kommt zurück nach Herne, wo sie im Mai ihre Premiere hatte.

24.Juni 2018 um 11.00 Uhr im Emschertalmuseum Herne!

"CARBON - Eine kleine Weltreise der Kohle"
Inszenierung, Ausstattung, Performance - Sabine Köhler, Heiki Ikkola 
Live-Musik - Daniel Williams
Projektionen, Technik - Beate Oxenfart
Licht - Josia Werth 
Bühnenmalerei - Yvonne Dick 
Kamera, Schnitt - Eckart Reichl  
Bühnenbau - Peter Pit Tirpitz 
Künstlerische Mitarbeit - Christian Zimmermann, Elsa Hammer  
Koproduktion mit der FIDENA Bochum und den RuhrKunstMuseen - gefördert vom Fonds Darstellende Künste, Kulturstiftung Sachsen und von der Landeshauptstadt Dresden



Die neueste Freaks und Fremde Produktion verfolgt im letzten Jahr des deutschen Steinkohlebergbaus die Geschichte eines Rohstoffs von seiner Entdeckung bis in die Abgründe globaler Vertrickungen. Auf unserer Suche kamen wir nach Kolumbien, wo der größte Steinkohletagebau der Welt, die Kohle für deutsche Kraftwerke aus der Erde schürft und sprengt und damit die Lebens- und Kulturräume indigener und afrokolumbianischer Gemeinschaften in La Guajira zerstört. Den Dreck, den wir vor der eigenen Haustür nicht mehr haben, wühlen wir am anderen Ende der Welt auf.

Presseresonanz:
"Im Mahlstrom der Neo-Imperatoren.
Die Compagnie Freaks und Fremde, ausgezeichnete Dresdner Kunstpreisträger mit monatlicher Residenz im barockigen Societaetstheater, spielt als Kulturbotschafter ihrer Landeshauptstadt in der ersten Liga. Und so bot deren achte Freakstadt – ein jeweils liebevoll ausgestaltetes und von einer Art illustrem Fanclub betreutes Minifestival – mit „Carbon – eine kleine Weltreise der Kohle“ eine nicht nur Aufsehen erregende Uraufführung, deren zurückliegender und kommender Werdegang der Beachtung bedarf.
Im Foyer, mit einer Ausstellung garniert, lag dazu ein Haufen echter Steinkohle, darüber flatterten Geldscheine aller Herren Länder, durchaus auch echte und in Summe von Wert – und nicht jene der Herrenländer. Das ist nicht unwichtig zu wissen, denn die neue Produktion der Freaks – hier als reines Kernduo in Form von Sabine Köhler (in Schwarz) und Heiki Ikkola (in Weiß) als Clownspaar, die beide auch für Konzept, Ausstattung und Performance verantwortlich zeichnen, feierte nicht hier Premiere, sondern schon im Mai beim Fidena-Festival. Das „Figurentheater der Nationen“, die populärste Aktivität des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst, das als Verein in Bochum sitzt, feierte seinen 60. Geburtstag und veranstaltet aller zwei Jahre jenes ureigene Festival, dieses Jahr mit 55 Veranstaltungen und 33 Produktionen aus 13 Ländern an zwölf Spielorten, neben Bochum auch in Essen, Herne und Hattingen. Eine von zwei Auftragsproduktionen zum Jubiläum, die dort Uraufführung feierten, ergatterte die Dresdner Compagnie, in Kooperation mit den RuhrKunstMuseen, die dann auch diverse Auftrittsorte stellen. 

Also bauten sich Köhler und Ikkola ein Zelt, das in deren Räume passte, und eine herrliche Theatermaschine mit vielen Funktionen, vor allem als doppelte Horizontalseilbahn für Getier, Menschen und Technik mit Figuren, die sich inwendig beim Bewegen noch drehen. Neben diesem phantasischen Theatrum mundi liefern sie dazu ihren bekannten Mix aus Spiel, Film, Tanz und Puppenspiel, bei dem jede Bewegung sitzt und auch kleine technische Pannen, die bei diesem Equipmentreichtum nahezu unausweichlich erscheinen, geschickt überspielt werden.
So steht hier am Anfang – als ihre typische weißkahle Gliederpuppe mit stahlblauen Augen – Prometheus, jener bereuende Gott aus dem Geschlecht der Titanen, der den Menschen das Feuer brachte und dafür am Kaukasusfels vom Adler angesnackt wird. Hier verweilt er im halbierten Vogelkäfig und muss zuschauen. Denn aufgrund seiner Idee wird aus der kleinen Kohlewelt- auch eine Zeitreise, die im Ruhrgebiet beginnt, als ein lustiger Schweinehirt, der sich nachts ein Feuer in einer Schweinekuhle macht, die schwarzen, heiß nachglühenden Steine entdeckt. Daraus führt ein gewaltig verspieltes Kaleidoskop in die Geschichte des Steinkohlebergbaus ein und wieder aus, wobei, wie bewährt, die Filme von Eckart Reichl und die Musik von Daniel Williams die Handlung treiben und ein kleiner Schwenker gen Oelsnitz, zu unserem allerersten Helden der Arbeit, Adolf Hennecke, nicht ausbleibt. Es entsteht eine leuchtende Wunderwelt, die selbst stringente Naturfreunde als faszinierend empfinden müssen, zumal die Maschinerie hier (Ausstattung: Yvonne Dick, Technik: Josia Werth) nicht stinkt und raucht.
Plötzlich, weit in der zweiten Hälfte, wird die Geschichte dann hart und leibhaftig – trotz Kohleausstieg werden nagelneue Steinkohlekraftwerke in Deutschland gebaut, riesige Mengen zum Verfeuern aus Kolumbien über den Atlantik verschifft, für unseren Strom, unser Licht, unsere Klima-Anlagen (auch jene im Theater), unter Führung amerikanischer oder europäischer Großkonzerne, von geizigen Aktionären getrieben, der südamerikanische Urwald abgeholzt und die Anwohner, vor kurzem noch stolze autarke Wayuú-Indianer aus dem Dorfe Tamaquito, die ohne Strom und Technik leben konnten, mit Staatsdoktrin für unseren energetischen Wohlzustand vertrieben. Diese dokumentarische Anklage der Neoimperatoren, per Video auf die drei runden Leinwände projiziert, gibt der Inszenierung einen dramatischen Drall, dem man sich schwerlich entziehen kann.
„Carbon“ ist als Bühnenfestspiel ein freakiger Ritt durch die Genres – und ein Augenschmaus für den Bastelfreund. Witzig, unterhaltsam, schräg – und vor allem gesellschaftlich relevant.
Es knüpft thematisch an „Eldorado“, ihre Zeitreise an den fernen paradiesischen Sehnsuchtsort ins mystische Hoch- wie Goldland Kolumbiens an, und führt sie als karbonierte Sommerreise vom Emschertalmuseum Herne (24. Juni), zum Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna (5. August) und dann über Duisburg, Bottrop, Gelsenkirchen, Bochum und die Kunsthalle Recklinghausen nach Mülheim an der Ruhr. 

(Dresdner Neueste Nachrichten, Andreas Herrmann)

04.06.2018

Zusatzvorstellung CARBON am 07.Juni um 22.00 Uhr

Liebe Freunde der unbequemen Unterhaltung!

Es ist soweit - die letzte Freakstadt der Saison öffnet ihre Tore - 
da die Premiere von "CARBON - Eine kleine Weltreise der Steinkohle" 
am 07.06.2018 um 20.00 Uhr ausgebucht ist, gibt es eine Zusatzvorstellung um 22.00 Uhr!


Die Karten dafür können ab dem 05.Juni im Societaetstheater Dresden und ab sofort bei uns unter office@freaksundfremde.de gebucht werden!

Donnerstag - 7..06.2018 - 20.00 und 22.00 Uhr
"CARBON - Eine kleine Weltreise der Kohle" - Dresden-Premiere
Inszenierung, Ausstattung, Performance - Sabine Köhler, Heiki Ikkola 
Live-Musik - Daniel Williams
Projektionen, Technik - Beate Oxenfart
Licht - Josia Werth 
Bühnenmalerei - Yvonne Dick 
Kamera, Schnitt - Eckart Reichl  
Bühnenbau - Peter Pit Tirpitz 
Künstlerische Mitarbeit - Christian Zimmermann, Elsa Hammer  
Koproduktion mit der FIDENA Bochum und den RuhrKunstMuseen - gefördert vom Fonds Darstellende Künste, Kulturstiftung Sachsen und von der Landeshauptstadt Dresden


Die neueste Freaks und Fremde Produktion verfolgt im letzten Jahr des deutschen Steinkohlebergbaus die Geschichte eines Rohstoffs von seiner Entdeckung bis in die Abgründe globaler Vertrickungen. Auf unserer Suche kamen wir nach Kolumbien, wo der größte Steinkohletagebau der Welt, die Kohle für deutsche Kraftwerke aus der Erde schürft und sprengt und damit die Lebens- und Kulturräume indigener und afrokolumbianischer Gemeinschaften in La Guajira zerstört. Den Dreck, den wir vor der eigenen Haustür nicht mehr haben, wühlen wir am anderen Ende der Welt auf.
Der Film "La Buena Vida" von Jens Schanze wird im Foyer zu sehen sein, in einer poetischen wie scharfen Dokumentation wird der Umsiedlungsprozess des Dorfes Tamaquito in Auseinandersetzung mit dem Konzern Cerrejón gezeigt.  




25.05.2018

FREAKSTADT N°8 - "Kunst und Kohle" - 07.-09.Juni 2018


Liebe Freunde der unbequemen Unterhaltung!

Es ist soweit - die letzte Freakstadt der Saison öffnet ihre Tore - das monatliche Format der Cie.Freaks und Fremde im Societaetstheater. "Kunst und Kohle" heißt es diesmal, und so folgen wir diesem Themenpfad:

Wir zeigen die Premiere unserer neuesten Produktion "CARBON - Eine kleine Weltreise der Kohle", die im letzten Jahr des deutschen Steinkohlebergbaus die Geschichte eines Rohstoffs von seiner Entdeckung bis in die Abgründe globaler Vertrickungen verfolgt. Auf unserer Suche kamen wir nach Kolumbien, wo der größte Steinkohletagebau der Welt, die Kohle für deutsche Kraftwerke aus der Erde schürft und sprengt und damit die Lebens- und Kulturräume indigener und afrokolumbianischer Gemeinschaften in La Guajira zerstört. Den Dreck, den wir vor der eigenen Haustür nicht mehr haben, wühlen wir am anderen Ende der Welt auf.
Der Film "La Buena Vida" von Jens Schanze wird im Foyer zu sehen sein, in einer poetischen wie scharfen Dokumentation wird der Umsiedlungsprozess des Dorfes Tamaquito in Auseinandersetzung mit dem Konzern Cerrejón gezeigt.

Mit einer Fantasie über Elias Canettis "Der Ohrenzeuge" setzen wir unser Reihe kooperativer Projekte fort, zu denen wir unsere Künstlerkollegen aller Genres einladen, für eine einmalige und so nie wiederkehrende Vorstellung zusammenzutreffen. Mit "Blind Date" und der "Freakstadt-Saga" haben wir da bereits spannende Versuche unternommen. Nun knüpfen sich elf Künstler*innen einige von Canettis abstrusen wie metaphernreichen Charakteren vor, um einen Abend von seltener Schönheit live vor dem geneigten Publikum zu erschaffen. Auch wenn hier für den einzelnen Künstler wenig Kohle rüberkommt, so kommen wir doch hier zusammen, um uns immer wieder neu künstlerisch zu definieren. Informieren Sie sich zudem an der Freaksbar über die Initiativen der Koalition der Freien Darstellende Künste Dresden.

Endlich wieder auf der Freakstadt-Bühne: "LOVING THE ALIEN - Eine Landung auf dem Planeten Erde mit Songs von David Bowie"! Vielleicht zum letzten Mal auf der Bühne des Societaetstheaters zu sehen, wenn man die Äußerungen des Theaterleiters recht deutet. Also, nix wie hin: "Believing the strangest things, loving the alien..."! - David Bowie wußte ja sehr gut, wie man mit Kunst Kohle macht - wir lernen noch! - So fahren wir mit diesem Stück im Juli für 24 Vorstellungen zum OFF-Festival nach Avignon. Wer das Festival kennt, weiß, dass diese Unternehmung mit einer erheblichen Investition verbunden ist - Theatermiete, Unterkunft, Fahrt, Werbung - all das kostet die Compagnie in etwa 23.000 €. an Honorare und Amortisations- und Vorbereitungskosten ist da noch gar nicht gedacht. Am Ende hoffen wir natürlich einen großen Teil dessen wieder einzuspielen und mit einem Kalender voller Spieltermine in Frankreich wieder nach Hause zu fahren. Aber das Risiko ist nicht unerheblich. No risk no fun. Mit einer Crowdfunding-Aktion versuchen wir dennoch unsere Freunde, Fans und Gönner zu mobilisieren, uns ein wenig unter die Arme zu greifen. Kurz: Wir sind so frei und wollen Eure Kohle.

Nochmal zum mitschreiben:

07..06.2018 - 20.00 Uhr
"CARBON - Eine kleine Weltreise der Kohle" - Dresden-Premiere
Inszenierung, Ausstattung, Performance - Sabine Köhler, Heiki Ikkola 
Live-Musik - Daniel Williams
Projektionen, Technik - Beate Oxenfart
Licht - Josia Werth 
Bühnenmalerei - Yvonne Dick 
Kamera, Schnitt - Eckart Reichl  
Bühnenbau - Peter Pit Tirpitz 
Künstlerische Mitarbeit - Christian Zimmermann, Elsa Hammer  
Koproduktion mit der FIDENA Bochum und den RuhrKunstMuseen - gefördert vom Fonds Darstellende Künste, Kulturstiftung Sachsen und von der Landeshauptstadt Dresden

08.06.2018 - 20.00 Uhr
"Der Ohrenzeuge" nach Elias Canetti
Mit Yamile Navarro, Ariella Hirshfeld, Sabine Köhler, John Moran, Tobias Herzz Hallbauer, Heiki Ikkola, Daniel Williams, Frieder Zimmermann, Eckart Reichl, Shahab Anousha, Marieluise Herrmann, Valentin Tszin

anschließend: "La Buena Vida" von Jens Schanze

09.06.2018 - 20.00 Uhr
"LOVING THE ALIEN"
Performance - Sabine Köhler, Heiki Ikkola 
Arrangements, Live-Gesang - Sønderling 
Studio-Mixing, Mastering  -Nikolaus Woernle 
Bühnenbau - Peter Pit Tirpitz 
Puppenbau - Suse Wächter, Ida Herrmann 
Video - Marco Prill 
Künstlerische Mitarbeit - Max Reiniger   

Tickets buchen unter: office@freaksundfremde.de oder direkt beim Societaetstheater Dresden! 
Wir freuen uns auf Euren Besuch!  
 
 

21.05.2018

LOVING THE ALIEN in Avignon


Liebe Freunde der Cie.Freaks und Fremde!

Nach einer langen Reise durch Kolumbien, Recherchen für unser neues Projekt und der Premiere von "CARBON - Eine kleine Weltreise der Kohle" bei der FIDENA 2018 in Bochum / Herne kommen wir nun kurz vor unserer Freakstadt N°8 einmal zum Verschnaufen, zu Rück- und Vorschau.

Der nächste große Plan in diesem Jahr ist unser einmonatiges Gastspiel beim OFF-Festival in Avignon. Mit unserer Produktion "LOVING THE ALIEN" werden wir dort vom 6. bis 29.Juli 2018 24 Vorstellungen spielen. Es ist uns ein Vergnügen, nach dem Piraten-Cabaret wieder mit dem Sønderling alias Tobias Herzz Hallbauer und seinen Bowie-Adaptionen auf Tournee zu sein. 


Wie Ihr sicher wißt, sind die Vorstellungen in Avignon mit einigen Kosten verbunden, Theatermiete, Unterkünfte, Fahrtkosten, Werbung - das werden für unsere Compagnie unterm Strich etwa 23.000 €. Ob wir die am Ende wieder reinspielen, werden wir sehen. 
Wir sehen das vor allem als Investition für die Zukunft. Wir wollen als Freie Theatercompagnie unseren Unterhalt vor allem durch Vorstellungen und Gastspiele bestreiten und weniger durch Projektförderungen und dergleichen. Und in Avignon treffen sich die Booker und Veranstalter aus ganz Frankreich, um Vorstellungen für die nächste Saison zu buchen. 

Wir reisen gemeinsam mit der Tänzerin Katja Erfurth nach Avignon. 
Und die Agentur tristan production hlft uns massgeblich bei allen organisatorischen Fragen und hatte die Idee für ein Crowdfunding. 
Der Clou: Für jeden Euro, den wir mit dem Crowdfunding einwerben, gibt das Kulturhauptstadtbüro Dresden einen Euro dazu. 
Wer also Lust hat auf diese Hilfe zur Selbsthilfe: Wir freuen uns über jeden kleinen Beitrag. "LOVING THE ALIEN" unser Beitrag für Avignon wird aus diesem Grund am 09.Juni 2018 noch einmal am Societaetstheater Dresden gespielt. 
Und als kleiner Zusatz zu den Angeboten auf der Crowdfunding-Seite: 
Jede/r, der/die bis zum 26.05.2018 zwanzig Euro auf das Crowdfunding-Konto zahlt, und den Beleg an office@freaksundfremde.de sendet, kommt am 09.Juni kostenlos in die Vorstellung. 

Dort können wir dann gern auch noch weiter ins Gespräch kommen, über die Compagnie, über unsere Erfahrungen und Pläne. 

Bis bald. Love and Chaos. - Freaks und Fremde. 


25.04.2018

Gastspiel- und Recherche-Reise nach Kolumbien geht zu Ende

Liebe Freunde der unbequemen Unterhaltung! / Riohacha, 25.April 2018


Mit dem Ende des Monats April nähert sich auch das Ende unserer Compagnie-Reise durch Kolumbien - und wir kehren mit prallem Gepäck voller Eindrücke und Material zurück nach Dresden. 
Unser Gastspiel im Teatro Mayor Bogotá mit 7 Vorstellungen unserer Arbeit "ELDORADO - Un viaje del teatro" vor insgesamt 8.200 Zuschauern werden wir so schnell nicht vergessen. Wir danken allen Beteiligten von Herzen, dem Teatro Mayor, dem Goethe Institut Bogotá und der Kulturstiftung Sachsen für diesen Kraftakt und dieses Erlebnis.

 
  

In den letzten vierzehn Tagen waren wir der Kohle auf der Spur - in Boyacá und auf La Guajira.
Auf Initiative des FIDENA-Festivals Bochum und der RuhrKunstMuseen produzieren wir unser neues Projekt "CARBON - Eine kleine Weltreise der Kohle".
Wenn im September 2018 im Ruhrgebiet die letzte deutsche Steinkohle-Zeche geschlossen wird, hat dir Kohle hier noch lange nicht ausgedient. Den Dreck, den wir vor der eigenen Haustür nicht mehr haben, wühlen wir am anderen Ende der Welt auf - zum Beispiel auf der kolumbianischen Halbinsel La Guajira, wo der größte Steinkohletagebau der Welt El Cerrejón einen Großteil der Steinkohle fördert, die in deutschen Kraftwerken verbrannt wird.
Wir haben die gewaltige Mine aufgesucht und wurden auf einer aufwändigen Tour des Konzerns eigens mit den verschiedenen Projekten des Unternehmens bekannt gemacht. Der Konzern blieb dabei für uns völlig gesichtslos, denn keiner unserer Gesprächspartner bei dieser zehnstündigen Betriebsbesichtigung war autorisiert, mit uns vor der Kamera ein Interview zu führen. Indes wurde uns mantraartig das große Verantwortungsbewußtsein des Konzerns für die Reinhaltung von Luft und Wasser, für Flora und Fauna, für die umzusiedelnden Gemeinschaften, für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Halbinsel Guajira immer wieder wiederholt.

 
 

Ein Antlitz, oder besser: viele Gesichter, bekamen dann aber die Schattenseiten des Minenbetriebes, viele Betroffene schilderten uns ihr Schicksal bei der Umsiedlung, die Schwierigkeiten mit Cerrejón bei der Umsetzung der vertraglich zugesicherten Versprechen ...
Die afrokolumbianischen und indigenen Wayuú-Gemeinschaften stehen einander bei, tauschen Erfahrungen und lernen voneinander. Wir haben die verlassenen und zerstörten Dörfer gesehen, in denen sich vereinzelt noch Menschen in ihren Häusern verschanzt haben, weil sie nicht bereit sind zu gehen ... weil Cerrejón ihnen zu wenig Entschädigung zahlt, weil sie Cerrejón nicht vertrauen oder weil sie den angestammten Ort ihrer kulturellen Verwurzelung nicht verlassen wollen.

Am 12.Mai 2018 wird die Uraufführung in den Flottmann-Hallen Herne im Rahmen des FIDENA-Festivals stattfinden ... Ein Brückenschlag von Prometheus, der den Menschen das Feuer und die Technik brachte, über das Carbonzeitalter, das Ruhrgebiet, Adolf Hennecke bis Cerrejón in Kolumbien, das ja nur ein Beispiel ist, eine Station auf der Weltreise der Kohle, die sich fortsetzen ließe über die USA, Russland, China, Vietnam nach Mocambique ...

Wenn wir nun die Rückreise antreten, warten auf uns spannende wie schwierige Endproben - wie nur all das zusammenbringen? Wie darüber erzählen? Wir sind gespannt und freuen uns auf ein neugieriges Publikum.
Wir danken allen, die uns hier in Kolumbien von ihrem Leben, Schwierigkeiten und von ihrem Kampf erzählt haben, vor allem: Rogelio, Samuel, Jacqueline, Alexis und Jairo. Ein großer Dank gilt unserem Kameramann Eckart Reichl und der Übersetzerin und Recherchemitarbeiterin Elsa Hammer.
Wir danken auch Cerrejón für die Einblicke, insbesondere Katalyna Koy, die uns zehn Stunden lang begleitete.

Plakatentwurf: Henning Wagenbreth

10.04.2018

Letzte Vorstellung in Bogotá - Next Stop: Guajira


It's done! - Sieben Vorstellungen "EL DORADO - Un viaje del teatro" im Teatro Mayor Bogotá sind Geschichte. Vielen Dank an alle Beteiligte, an das Team des Theaters und an das Goethe Institut Bogotá. Morgen verläßt uns die JuWie Dance Company, um mit eigenen Stücken in Österreich und der Republik Kongo zu gastieren.
Wir verstärken derweil unser Team um die Dolmetscherin Elsa Hammer und den Kameramann und Filmer Eckart Reichl, um weiter in den Norden nach Guajira zu reisen und dort noch einmal den größten Steinkohletagebau der Welt zu besuchen: "El Cerrejón". Dort entstehen dann die letzten Bilder für unser neues Theaterprojekt "CARBON - Eine kleine Weltreise der Kohle'".
Die Premiere findet dann bei der FIDENA am 12.Mai 2018 in den Flottmann-Hallen Herne statt.
Wir danken der FIDENA und den RuhrKunstMuseen für das Vertrauen und für die Möglichkeit, dieses Projekt zu verwirklichen. Vielen Dank für die Förderung an den Fonds Darstellende Künste, die Kulturstiftung Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden.

03.04.2018

Nächste Station: Bogotá, Teatro Mayor

Liebe Freunde der unbequemen Unterhaltung! - Abflug!
Der Fisch fliegt über den Atlantik - Freaks und Fremde reist zusammen mit der JuWie Dance Company nach Kolumbien - im Teatro Mayor in Bogotá zeigen wir sieben Vorstellungen unserer Inszenierung ELDORADO. Da uns die Begegnung mit Kindern und jungen Menschen auf unseren Reisen in Kolumbien immer sehr wichtig war, haben wir exclusiv eine Version für Familien und Kinder erarbeitet, die wir im Rahmen von "cien mil niños al Teatro Mayor" präsentieren.
Wir sehen uns - hasta luego!

 
Tres titiriteros, dos bailarinas y un músico sumergen al espectador en una maravillosa expedición llena de imágenes, sueños y encuentros. La historia parte de la leyenda de El Dorado y gira en torno a elementos como la búsqueda del oro, de la felicidad y de la buena vida. Muñecos, máscaras y danza le dan vida a esta historia precolombina desde una óptica europea.
La compañía Freaks und Fremde fue creada en 2006 por un grupo de actores, artistas y músicos quienes tomaron como punto de partida el arte del guiñol (títere de guante). En sus montajes combinan trabajo corporal, títeres, proyecciones y narraciones, al tiempo que abordan problemáticas relacionadas con el ser humano. Sabine Köhler y Heiki Ikkola recibieron por su trabajo con la compañía el Premio de Arte 2015 de Dresde y el Premio de Arte 2017 del departamento Sajonia.
Este espectáculo se hace en cooperación con JuWie Dance Company, fundada en abril de 2013 por Wiebke Bickhardt y Jule Oeft. La compañía centra su trabajo en la danza contemporánea y la narrativa abordando diferentes temas sociales.
Integrantes: Jule Oeft, Yamile Navarro, Heiki Ikkola, Dirk Neumann, Sabine Köhler, Daniel Williams, Beate Oxenfart y Josia Werth.

Dieses Gastspiel wird unterstützt durch das Goethe Institut Bogotá, und vor allem bedanken wir uns für die Gastspielförderung durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.





20.03.2018

Freaks und Fremde @ FIDENA 2018


CARBON
Eine kleine Weltreise der Kohle
Ein Projekt der Cie. Freaks und Fremde 
in Zusammenarbeit mit FIDENA 2018 und den RuhrKunstMuseen


Die Freaks-und-Fremde-Probebühne ist Labor und Werkstatt für unser neues Projekt CARBON.
Wir haben ein Zelt errichtet, schneiden Filmschnipsel, bauen an unserer Theatermaschine, schreiben Texte, verlieren uns in Details. In zwei Wochen geht es erneut nach Kolumbien für Dokumentarfilmaufnahmen und dann stürzen wir uns in die Endproben!

Premiere und weitere Vorstellungen im Rahmen der FIDENA Bochum: 
12.Mai 2018 um 18.00 Uhr / Flottmann-Hallen Herne  
13.Mai 2018 um 16.00 und 18.00 Uhr / Flottmann-Hallen Herne

Dresden-Premiere:
07.Juni 2018 um 20.00 Uhr / Societaetstheater Dresden
 
La Guajira / Colombia
Trotz aller Rhetorik über die so genannte Energiewende, die Förderung erneuerbarer Energien und die Ziele der Reduktion von CO2-Emissionen, erleben fossile Energieträger derzeit einen großen Boom. Die deutsche Industrie, mit Energieunternehmen wie E.ON und RWE und anderen wie Bayer, importiert weiterhin große Mengen an preisgünstiger Kohle (80% von dem, was sie verbraucht) aus Ländern wie Kolumbien, einem ihrer Hauptlieferanten.
Auf der kolumbianischen Halbinsel La Guajira, im Norden des Landes, gibt es den weltweit größten Steinkohle-Tagebau: die Mine El Cerrejón, die sich über ein Gebiet von 70.000 Hektar erstreckt.
Es wird erwartet, dass 2017 die Rekordmenge von 60 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert wird, die fast ausschließlich zur Stromerzeugung nach Europa, Nordamerika und neuerdings auch nach China exportiert wird.
Das Gebiet, in dem sich die Mine befindet, wird, wurde, vom indigenen Volk der Wayúu bewohnt, von Afro-Kolumbianern, Bauerngemeinden und anderen indigenen Gruppen. - Vor der Ankunft der multinationalen Konzerne lebten diese Menschen autark von Fischerei, Vieh, Jagd und Landwirtschaft für Lebensmittel. Ihre autonome Lebensform gab ihnen Selbstbewusstsein im Dialog mit dem herrschenden Gesellschafts- und Wirtschaftssystem. Aber die fortgesetzte Erweiterung der Mine hat etwa 60.000 Menschen aus ihrem Land vertrieben, oft gewaltsam. Ganze Dörfer wurden von Baggern zerstört oder verschluckt. Als erstes verschwand 1986 das manantische Volk, die Siedlungen Roche, Chancleta, Tamaquitos, Tabak, Palmarito, El Descanso, Caracoli, Zarahita oder Patilla sind nur einige der vielen, die dem Schicksal des Verschwindens erlagen.
Zudem verursacht die Mine enorme Umweltverschmutzungen und ernsthafte gesundheitliche Probleme. Eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten ist verschwunden oder ernsthaft vom Aussterben bedroht; unter ihnen einige wichtige Heilpflanzen und andere Pflanzen der Verwendung in traditionellen Ritualen.
Darüber hinaus verunreinigt die Mine die knappen Wasserquellen und Flüsse in dieser Wüstengegend. All dies hat dazu geführt, dass heute 64% der Einwohner des Gebietes in Not leben.
Die neueste Erweiterung der Mine erfordert die Abzweigung des bedeutendsten Flusses im Departement La Guajira auf einer Strecke von 26 Kilometern, um auf die Kohlelagerstätten zuzugreifen. Der Rancheria-Fluss stellt aber für die einheimische Bevölkerung die einzige zugängliche Wasserquelle dar.
Wir fahren von Uribia, der Hauptstadt von Guajira, Richtung Cabo de Vela auf der Ladefläche eines Pick-up – es geht schnurgerade an der Eisenbahntrasse von Cerrejón entlang, 130.000 Tonnen Kohle rollt hier täglich zum Hafen. Dann verlassen wir die Strasse und es geht auf eine Geländepiste, Wüste, Kakteen, struppige Büsche … mittendrin ab und zu eine Siedlung der Indigenen, von Kaktuszäunen umbaut, auch die Häuschen sind aus Kaktusholz errichtet. – Wir landen schließlich am Meer, die Wüste wird unversehens zum Strand. Hier schlagen wir unser Lager mit traditionellen Hängematten auf – den ganzen Tag laufen um und durch unser Lager Frauen und Kinder, um uns ihre Handarbeiten, Taschen und Armbänder, zum Kauf anzubieten. Das haben Ihnen die Sozialarbeiter von Cerrejón beigebracht – wie man Geschäfte macht mit seinem Handwerk – schließlich sind die Wayúu geschickte Weber. Die Lebensgrundlagen, die Ihnen ein relativ unabhängiges Leben bescherten, sind ihnen genommen, nun sollen sie es machen, wie wir: „richtig“ arbeiten und Geld verdienen für den Lebensunterhalt.
Bald aber haben wir alle zur Genüge etwas gekauft, da keine Saison ist, gibt es auch kaum andere Kunden – so sitzen die Wayúu täglich bei uns, sie haben auch Freunde mitgebracht, denn sie haben von der Puppe gehört, die mit uns reist. „El hombre“, wie wir ihn nennen, spielt vor und mit den Leuten von Cabo. Er beginnt sich zu bewegen, zu atmen und alles beginnt zu kichern, gebannt und erschrocken zu schauen. Eine zarte Kontaktaufnahme, doch als die Puppe aufsteht und geht, schrecken Frauen und Kinder zurück, manche laufen lachend und schaudernd davon, rufen sich etwas in Wayuneiki zu. Manche tuscheln etwas von Magie und fragen mich, ob er ein Dämon ist …
Täglich sitzt auch eine ältere Frau zwischen unseren Besuchern, ihr Gesicht zugleich das Antlitz eines Kindes und einer Greisin: Karina, still und fragenden Blickes. Mit ihrer zarten fast singenden Stimme, fragt sie mich, woher wir kommen. Als ich ihr antworte, weiten sich ihre Augen und unfassbar entrückt wiederholt sie eigentlich nur für sich selbst: „Alemania … Alemania.“ Und weiter: „Esta lejo. Alemania.“ Deutschland, Deutschland, das ist sooo weit weg.
 
Alemania, esta lejo? – Ja, für Karina auf jeden Fall, unvorstellbar weit weg. - Aber die Kohle, die aus dem Boden ihres Landes gegraben und gesprengt wird, lässt unsere Waschmaschinen laufen, unsere Straßenbahnen fahren, lädt unsere Elektroautos und erzeugt den Strom, den wir in unserem Theater verballern. Kolumbien war 2011 erstmals Deutschlands größter Steinkohlelieferant. Die Verfassung der Menschen in den vom Kohlebergbau betroffenen Dörfern ist erschütternd; sie sind verzweifelt und gelähmt vom Gefühl der Ohnmacht gegen die in vielen Fällen rücksichtslosen Bergbaukonzerne. Sie leiden unter den Folgen des Kohleabbaus: Staub, Lärm, Wasserknappheit, Ernteeinbußen und dem Verlust ihres Lebensraumes. Die Konzerne haben die Dorfgemeinschaften geschwächt oder zerstört. Organisierter Widerstand ist aus dieser Verfassung heraus nicht möglich, jede Familie kämpft angesichts der existenziellen Bedrohung um das eigene Überleben. Viele versuchen sich natürlich zu arrangieren und auf die eine oder andere Weise zu Nutznießern des Steinkohlebergbaus zu werden.

Der Staat sieht das Thema sehr einseitig: Der Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos, bezeichnet die Bergbauindustrie als Lokomotive für die Entwicklung Kolumbiens. Sondereinheiten der kolumbianischen Armee wurden in den Abbaugebieten stationiert, um den reibungslosen Betrieb der Kohleminen zu gewährleisten.
Wir wollen uns einen Reim machen auf das Leben in dieser in mancher Hinsicht verrückten Welt. Wir wollen Zusammenhänge verstehen. Wenn man anfängt, Dinge zu hinterfragen, stellt man fest,                dass es keine Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten gibt. Brauchen wir Wachstum? Verbessert technischer Fortschritt zwangsläufig immer unser Leben? Was braucht der Mensch, um ein „gutes Leben“ zu führen? - Das sind so Fragen – naiv zunächst, in der Vertiefung und in der näheren Betrachtung der Zusammenhänge – die entscheidenden.
Theater, Film, Kunst kann solche Fragen unmöglich beantworten; sie bilden vielmehr den Ausgangspunkt für eine tiefere Beschäftigung, machen aufmerksam, geben Handlungsimpulse oder reißen Abgründe auf.

Unsere Recherchen lenken unsere Aufmerksamkeit auf die Weltanschauung der indigenen Andenvölker, in der Quechua-Sprache „Sumak Kawsay“ bzw. „El buen           vivir“ in Spanisch, deren zentrales Element das friedvolle Zusammenleben in Vielfalt und in Harmonie mit der Natur ist. Das Streben nach Anhäufung von Gütern über den eigenen Bedarf hinaus und die Vorstellung einer linearen Entwicklung im Sinne „morgen besser als heute“ existieren darin nicht.

Natürlich verändert sich der Blick auf das eigene Dasein, wenn man in andere Lebenswelten eintaucht, so wie wir das zum Beispiel in Cabo de Vela oder in Coqui im Regenwald von Chocó durften. Wenn man erlebt hat, welche Konsequenzen der eigene Stromverbrauch am anderen Ende der Welt hat, zieht man unweigerlich praktische Konsequenzen.



Brückenschläge

Wenn mit dem Jahr 2018 das „Kohlezeitalter“ im Ruhrgebiet endet, ist dieses Ende auch von Nostalgie geprägt. Anders als in Kolumbien, wo die Kohle ja nur hinausgeschafft wird, ist hier jenes „Kohlezeitalter“ in etlichen Industriedenkmälern, die mittlerweile zum großen Teil zu Orten der Kultur und des öffentlichen Lebens wurden, Stein geworden. Lebensweisen und ein Menschenschlag wurden hier geprägt, in Dokumenten und Kunstwerken finden sich Darstellungen, Deutungen und Erinnerungen dieser Epoche.
In den Neunzigern wurde es besiegelt: die Kohle ist endgültig am Ende und mit ihr geht auch er seinem Ende entgegen: Der Bergmann. - Sie können Straßen blockieren, Autos anzünden oder damit drohen, ihre Zechen zu sprengen - es hilft nichts. Die Milliarden, die sie jetzt noch bekommen werden, sind Sterbegeld. In den Schachtanlagen an Ruhr und Saar, genau wie in Wales, Yorkshire und Lothringen geht das Zeitalter des Bergbaus zu Ende. Der Bergmann. Ein großer Mythos stirbt.
Düstere Niedergangs-Visionen: Kahlschlag. Die Lichter gehen aus. Das Revier stirbt. Marodierende Jugendbanden ziehen durch dunkle Straßen und fahren nachts geklaute Autos zu Schrott. Sheffield an der Ruhr. Doch Wanne-Eickel ist nicht Sheffield. Der Widerstand der Bergarbeiter gegen ihre Abschiebung ins Industriemuseum hat etwas sympathisch Hilfloses. Sie tragen Särge mit Bergbau-Emblem, bemalen Transparente mit ungelenker Protestlyrik, sprechen mit rußgeschwärzten Gesichtern immer die gleichen Sätze in die TV-Kameras. Dass sie sich verraten fühlen. Dass bald die Ruhr brennt. Und dass jetzt Krieg ist. Man konnte es nicht mehr hören. Trotzdem empfindet man den Protest der Bergleute, die nicht mal sagen konnten, warum sie noch gebraucht werden, als gerecht. Man weiß, dass der Steinkohlenbergbau in Deutschland keine Zukunft hat - und hat ein schlechtes Gewissen. Die Kohle geht, aber die Apokalypse ist nicht eingetreten …

Es begann anders. Sonderzugweise karrte das kaiserliche Deutschland ostelbische Landarbeiter, Schlesier und Pommern vor die Zechentore. Das Ruhrgebiet war eine einzige Zechensiedlung, der Bergmann der Aristokrat unter den Arbeitern. Darauf gründet sich der Mythos, daraus beziehen die Bergleute noch heute ihre Existenzberechtigung. Schwitzend und staubverkrustet.
Die älteren Bergleute schwärmen heute noch von dieser Zeit, die Ende der 60er mit der ersten Stillegungswelle zu Ende ging. "Das war ein eingeschweißter Haufen. Man muss das mitgemacht haben, das ist unbeschreiblich, das können Sie gar nicht verstehen", sagt Siegward Slanina, Reviersteiger auf Prosper-Haniel in Bottrop. 





 


27.02.2018

LOVE AND CHAOS / Freakstadt N°7 / 16.-18.03.2018

Liebe Freunde der unbequemen Unterhaltung!

Endlich. Cie.Freaks und Fremde öffnet die Pforten zur Freakstadt N°7 - LOVE AND CHAOS!
Das monatliche Format der Cie. Freaks und Fremde im Societaetstheater!

 Und wir beginnen mit einem einmaligen Theaterabend, zu dem wir uns vier der tollsten Dresdner Musiker und sechs Tänzer*innen eingeladen haben, die den zeitgenössischen Tanz in Dresden massgeblich mitgestalten! 
16.März 2018 - 20.00 Uhr - Societaetstheater Dresden 
Cie. Freaks und Fremde & Gäste "BLIND-DATE"

Mit: Anton Adassinsky, Daniel Williams, Frieder Zimmermann, Jarii van Gohl, Jule Oeft, Katja Erfurth, Seraphina Detscher, Tobias Herzz Hallbauer, Wagner Moreira, Yamile Navarro



Vier Dresdner Ausnahme-Musiker treffen auf Tänzer*innen und Performer, die Ihnen vor dem gespannten Publikum zugelost werden.

DEREVO-Prinzipal Anton Adassinsky und Wagner Moreira begegnen der Cie. Freaks und Fremde hier zum allerersten Mal auf der Bühne. Die wunderbare Tänzerin Katja Erfurth feiert an diesem Abend mit uns allen gemeinsam ihren Geburtstag und die JuWie Dance Company ist mit drei Tänzerinnen von der Partie, und Freaks und Fremde lassen hier im Wortsinn die Puppen tanzen …

Das wird ein Fest, einmalig und ohne doppelten Boden.
 

17.03.2018 - 20.00 Uhr - Societaetstheater Dresden 
"ELDORADO" - die neue Version fürs Gastspiel in Bogotá!

Bevor wir im April mit unserer Inszenierung für sieben Vorstellungen nach Bogotá reisen, ist sie noch einmal in Dresden zu sehen - die Suche nach Gold, Glück und dem Guten Leben. Ein Theaterstück, das wir auf unserer Expedition durch Kolumbien mit der JuWie Dance Company entwickelt haben. Eine Reise, eine Suche, ein Tanz, ein Traum, ein Rausch ---- auf keinen Fall verpassen - zum allerletzten Mal in Dresden zu sehen!


18.03.2018 - 20.00 Uhr - Societaetstheater Dresden 
"MÄDCHEN IN KOFFER" - die Dresdner Premiere 
des surrealen Road-Movies von Albrecht Hirche
Die Bühne wird zur Film-Bar! Der Regisseur und Schauspieler Albrecht Hirche präsentiert seinen Spielfilm als Dresden-Premiere. Ein surreales Roadmovie – ein alter BMW, eine Mission, eine Reise durch Europa und ein Koffer. Was ist da drin? Der Regisseur zeigt seinen abendfüllenden Streifen und lädt danach zum Filmgespräch ein. COME IN!




Bucht Eure Tickets:

16 € / erm. 12 € / Studenten, Schüler, Kollegen, Dresden-Card: 6,50 €

Am 18.03.2018 Einheitspreis 6,50 €.
www.societaetstheater.de oder office@freaksundfremde.de

FREAKSTADT  wird gefördert von der Kulturstiftung Sachsen.
 

20.02.2018

11.März 2018 - Gastspiel im Theater Meissen

Liebe Freunde der unbequemen Unterhaltung!

Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor / Martin Baltscheit

Ein musikalisches Theaterstück über das Altwerden, das Vergessen, über gelebtes Leben und das, was bleibt. 
Ein Darstellerpaar, ein Musiker und eine Welt aus lebendigen Erinnerungen entfalten einen Lebenslauf: Es war einmal ein Fuchs, der wusste alles, was ein Fuchs so wissen muss. Wer alles weiß, kann lange leben, dachte der Fuchs, und lebte ein langes Leben voller Abenteuer. Dann aber vergaß der Fuchs, dass er ein Fuchs war… 
 
11.März 2018 um 16.00 Uhr / Theater Meissen

Der Düsseldorfer Autor Martin Baltscheit hat diese Geschichte aufgeschrieben und schildert das Problem der Demenz mit Witz, Einfühlungsvermögen und Melancholie.
In seinen besten Jahren gibt der schlaue Fuchs seine Erfahrungen an die Jungen weiter, wird schließlich alt und vergesslich, bis er vom Baum fällt. Und nun verspotten ihn diejenigen, die einst vor ihm davonliefen. Und den Hunden des Jägers, die er als jugendlicher Zorro hinters Licht führte, droht er zur leichten Beute zu werden. - Die jungen Füchse aber pflegen ihn und heilen seine Wunden. Nur seinen Verstand, den heilen sie nicht, denn den hat der Fuchs verloren und keiner weiß genau wo …
Im Zentrum der Bühne steht ein ausgestopfter Fuchs - ein gelebtes Leben, das vor den Augen der Zuschauer noch einmal abschnurrt. Doch die große Uhr, die über allem hängt, gerät ins Stocken, läuft rückwärts und die Zeit bekommt Risse.
Konkurrierend, sich ergänzend und spiegelnd erzählen, singen, tanzen und erinnern sich die Darsteller durch dieses Abenteuerleben. Das letzte Abenteuer ist das Vergessen und die Geschichte endet wie sie begann: mit einem Foxtrott.
Eine Inszenierung für ein generationsübergreifendes Publikum (ab 6 Jahre).

Team:
Idee, Ausstattung, Spiel: Sabine Köhler, Heiki Ikkola
Komposition und Live-Musik:Frieder Zimmermann
Mitarbeit Regie: Rüdiger Pape
Dramaturgie: Jutta M. Staerk
Künstlerische Mitarbeit: Max Reiniger
Lichtdesign: Josia Werth
Fotos, Grafikdesign: Jean Sebastian Nass

Eine Koproduktion mit dem Comedia Theater Köln.
Gefördert durch:
Fonds Darstellende Künste, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, Robert-Bosch-Stiftung, das Land NRW aus Mitteln des Projektes Workspace.


Das Gastspiel wurde ermöglicht durch die Spende der Familie Bickhardt und die Gastspielförderung der Kulturstiftung Sachsen.