13.04.2016

SONGS FOR BULGAKOW / 10 Jahre Cie. Freaks und Fremde

20./21.05.2016 / Beginn 20.00 Uhr /
"SONGS FOR BULGAKOW" 

Cie. Freaks und Fremde, JuWie Dance Company und Vladimir Vaclavek.


10 Jahre Cie. Freaks und Fremde!
Wir feiern am 20./21.Mai 2016 mit "Songs For Bulgakow" und Wodka,
solange der Vorrat reicht im Societaetstheater!
Sabine Köhler und Heiki Ikkola arbeiten seit 2006 als Compagnie
zusammen und versammeln für ihre Projekte Theatermacher, Bildende
Künstler und Musiker, erhielten dafür im letzten Jahr den Kunstpreis
der Landeshauptstadt Dresden. Das Credo der Theaterarbeit der
Compagnie ist die Auseinandersetzung mit dem Anderen und
Ungewöhnlichen. Die Begegnung mit dem Fremden als Bedrohung und Chance
ist Kern ihrer Untersuchungen. Das Societaetstheater feiert kräftig
mit, denn es hat sich durch seine Partnerschaft zum Komplizen,
Förderer und zur produktiven Reibefläche der Compagnie gemacht.
Zehn Wegbegleiter der Compagnie werden nach den Vorstellungen ihre
Glückwünsche verstreuen - unter werden die Musiker Tobias Herzz
Hallbauer und Daniel Williams ihre musikalische Referenz erweisen.
Theater im Sinne der Cie. Freaks und Fremde - das ist Fest, Reise,
Lebenselixier. 

DAS TEAM:
Sabine Köhler, Heiki Ikkola - Performance
Jule Oeft, Wiebke Bickhardt, Yamile Navarro - Tanz
Frieder Zimmermann, Vladimir Vaclavek - Musik
Josia Werth - Licht


Trailer:
https://vimeo.com/121583693


 
Tickets gibt’s unter diesem Link:
http://www.societaetstheater.de/Stueckdetail/event_id/SONGS-FOR-BULGAKOW-102008/termin_id/2016-Fri-20-May-2000Uhr-1339094
oder
Tel. 0351 - 803 68 10
oder
bestellung@societaetstheater.de
oder
office@freaksundfremde.de



Pressestimmen

Songs for Bulgakow
EIN FURIOSES PROJEKT DER COMPANY FREAKS UND FREMDE

Gestern noch ein Geheimtipp, heute Kunstpreisträger der Stadt Dresden! Sabine Köhler und Heiki Ikkola haben sich diesen Weg mit ihrer Company Freaks und Fremde in den letzten Jahren hart erarbeitet - mit schrägen Performances, politischem Theater, internationalen Koproduktionen und Inszenierungen, in denen spürbar soviel eigenes Herzblut und good vibrations stecken, dass die Zuschauer immer wieder daran teilhaben wollen.
Zuletzt kamen sie in Scharen zur Premiere von »Songs für Bulgakow« ins LAB 15 im Industriegelände: [...]
Das Fest für Bulgakow (der russische Dichter starb im März vor 75 Jahren) ist eine unbekümmerte Mischung aus Theater, Musik und Tanz, das Lebensstationen und wichtige Werke des Dichters umkreist, aber auch dem damaligen wie heutigen Zeitgeist huldigt. So arbeitet sich Heiki Ikkola zu Beginn überdreht als amputierender Arzt ab, der Bulgakow in jungen Jahren war. Dann torkeln die Tänzerinnen der JuWie Dance Company als kopflose Körper gogolmäßig über die Bühne oder karikieren mit gefährlich dicht am Publikum fallenden Pappröhren den Aufbau und Fortschritt im Sowjetland. Und Sabine Köhler gibt in bester Stummfilmmanier den russischen Arbeiter, der mit seiner Klappleiter ja gerne schaffen würde, aber nichts zustande bringt. [...]
Die Begegnung von »Meister und Margarita« wird erzählt als poetisches Fingerspiel in einem Papptheater, Szenen seines Stücks »Moliere« als grotesker (Macht-) Maskentanz. Zum Zentrum aber wird ein Verführer-Teufel, der die Geschicke der Menschen durch die Jahrhunderte anheizt und auch die stärkste Szene des Stückes.
Sabine Köhler singt darin »Sympathy For The Devil« von den Rolling Stones und ist für mich die eigentliche Entdeckung des Abends. Eine Künstlerin, die sich über die Jahre gleichermaßen als Puppenspielerin, Schauspielerin, Regisseurin profiliert hat, und nun auch als Sängerin alles gibt.
Die Musik von Vladimir Vaclavek und Frieder Zimmermann hält die bunte Szenenfolge des Abends bis hin zu akrobatischen Einlagen zusammen. Sie malen akustisch slawische wie rockige Stimmungen, geben Tempo und Raum vor. Für die nächsten Vorstellungen ergibt sich aus dieser Komplexität eine besondere Herausforderung: die raumgreifende Inszenierung umzusetzen auf die konventionellen Bühnenverhältnisse des Kooperationspartners Societaetstheater. Wer Freaks und Fremde liebt, wird ihnen dorthin folgen.
SAX Stadtmagazin April 2015


29.03.2016

LOVING THE ALIEN. Eine Landung auf dem Planeten Erde mit Songs von David Bowie. / Im Anschluss: Gast-Performance von John Moran!

Die neue Produktion von Cie.Freaks und Fremde feat. Sønderling.
Im Anschluss Gastperformance von John Moran!
 
08./09.04.2016 um 20.00 Uhr im Societaetstheater Dresden.
 
Wieder zwei Vorstellungen "LOVING THE ALIEN - Eine Landung auf dem Planeten Erde mit Songs von David Bowie" / Beim letzten Mal haben wir Bowies Geburtstag und sein neues Album gefeiert, am Tag darauf die Meldung von seinem Tod. - So ist unser Stück unfreiwillig auch zum Nachruf auf den unvergessenen David Bowie geworden und er wird es hier auf Erden zumindest nicht mehr zu sehen bekommen. / Eine besondere Freude ist es uns, an beiden Abenden den New Yorker Ausnahme-Performer John Moran als Gast begrüßen zu dürfen. Er weilt gerade in Dresden und wird in den kommenden Monaten unsere Arbeit auf verschiedene Weise begleiten. Nach den Vorstellungen im April wird es jeweils eine kurze Gastvorstellung geben, eine Verneigung an den Meister unsererseits und eine Visitenkarte an das Dresdner Publikum seinerseits!!! --- Karten jetzt buchen, die Platzkapazität ist leider sehr begrenzt: http://www.reservix.de/off/login_check.php… - Wir freuen uns Euch zu sehen! 


In der Person von David Bowie liegt ein verstörender Charme. Ein Außerirdischer mit der Aura der Einsamkeit des Superstars. Den dramaturgischen Faden durch das Stück bilden die Songs von David Bowie, in den Arrangements von Sønderling.

Wie nimmt ein Fremder, ein Außerirdischer unsere Welt wahr?
Ist es nicht manchmal sogar sehr hilfreich und erhellend, eine solche Perspektive selbst einzunehmen, um uns und unser Tun in der Welt besser zu verstehen?
Vor den Augen der Zuschauer entrollt sich ein Panorama von Abgründen, Hoffnungen, Lebensentwürfen. Zu Gast im eigenen Leben.
Die Darsteller in dieser Versuchsanordnung sind Forscher und Versuchskaninchen zugleich, Entertainer, Projektionsfläche und Spiegel. Dabei bedienen sie sich verschiedener Materialien, Puppen, Projektionen und ihrer eigenen Körper. - Wir landen auf der Erde und schauen uns um – „believing the strangest things – loving the alien …“





Das Team:
Sabine Köhler, Heiki Ikkola - Performance, Regie
Sønderling - Arrangements und Live-Musik
Nikolaus Woernle - Studio-Mixing und Mastering
Max Reiniger - Mitarbeit Regie
Suse Wächter, Ida Herrmann - Puppenbau
Peter Tirpitz - Bühnenbau
Marco Prill - Video
Josia Werth - Licht
Beate Oxenfahrt - Technische Einrichtung
Judith Hellmann - Produktionsleitung
Jean Seabstian Nass - Grafik, Fotos

Die Inszenierung ist Teil einer mehrjährigen Kooperationsvereinbarung zwischen Cie. Freaks und Fremde und dem Societaetstheater Dresden.
Gefördert von Landeshauptstadt Dresden / Amt für Kultur und Denkmalschutz, Kulturstiftung Sachsen und Societaetstheater Dresden.

Presseschau zu "Loving The Alien":

Metaphorische Zeitreise zum Alien in uns
Freaks und Fremde mit einer Ode an David Bowie im Societaetstheater.
Von Andreas Hermann. Dresdner Neueste Nachrichten.
„Drei markante Gestalten lungern schweigend versonnen an einer schwarzen Bar. So trostlos wie sympathisch - und die optimale Ausgangslage für morgendlich abgefuckte Lebenssinnierende im abgeklärten Okzident. Es läuft leise Spacemusik im Langwellenmodus, der Wetterbericht wird nebenher in einzelnen Buchstaben gemorst.
So ist die Ausgangslage in einer musikalisch dominierten Zeitreise, die "Loving The Alien" heißt und als neunzigminütige Performance den Untertitel "Eine Landung auf dem Planeten Erde mit Songs von David Bowie" trägt. Sønderling alias Tobias Herzz Hallbauer stiftet die neuen Arrangements und die Live-Musik und liefert dabei die Grundlage für die Ode an seinen Helden.
Dass dies auch am Mikro kein Wagnis darstellt, bewies Hallbauer bereits bei einer Salomé gewidmeten Landesbühnen-Schauspielproduktion im Mai. Nun, zur Bowie-Werkschau, die zeitlich rückwärts von "Bring me the Disco King" zu "Space Oddity", also von 2003 gen 1969 fließt, bieten die beiden Freaks-Köpfe Sabine Köhler und Heiki Ikkola, amtierende Kunstpreisträger Dresdens, die wie immer Regie und Performance verbinden, Ausflüge als Erkundungen von fremdem Terrain, wobei sie tendenziell absurde Sitten und Bräuche treffen oder bieten: Sie sind Menschenaffen, Tanzpuppen mit Plastikhaar, die in einer Zitaten- und Bewegungsschleife gefangen sind, oder Forscher mit weißen Schutzanzügen im Außeneinsatz, wobei jeder mit Staubsaugertorso rasch live und rund aufgepumpt wird. Dabei bieten sie Mimik, Dynamik und Komik, eine besondere Eleganz verströmt wie gewohnt ihr Puppenspiel.
Wer ihre "Songs For Bulgakow" gesehen hat, wird überrascht sein, denn "Loving The Alien" ist eine völlig andere Art, bei der vor allem die Präzision verblüfft. Einerseits bei dem steten schnellen und lautlosen Umzug plus Bühnenumbau im Dunkeln, andererseits bei vielen sprudelnden Szeneneinfällen. Dazu hat Bühnenbildner Peter Tirpitz drei schwarze rollbare Regale gebaut, die mit ihrer schwarzen Rückseite nicht nur als Baradaption, sondern auch als Tafel oder Mauer dienen, die Sønderling einmal statt Gesang hektisch mit Kreidetext bemalt oder auf der sich wundernde Primaten als liebenswerte Aliens tummeln. Auf der anderen Seite - wohlsortiert und gut beleuchtet - viele Utensilien, die immer wieder eingeflochten werden. Darunter eine Horde Aufziehspielzeuge, die auf dem Spieltisch kaum zu bändigen sind, aber ständiger Nachjustierung bedürfen.
Lang erwartet, aber natürlich erst zum Schluss kommt Major Tom ins Spiel - in Form von "Space Oddity", von Hallbauer im Duett mit sich selbst eingespielt.wie gesungen und von den beiden Spielern als schwebender David-Puppenflug vor einem Video symbolisiert. Allein dieser Abschiedssong und das Schlussbild inklusive der damit erzeugten Stimmung, die in eine Zeit führt, als man noch Hoffnung und echt vernunftbegabtes Leben in unserem Sonnensystem hatte und sich per Photonenkraft schnell zu ferneren Sternen sehnte, lohnen das Kommen. Dem Trio gelingt zudem eine wunderbar melancholische Schlusspointe.
Nach "Ruanda-Memory", "West-Östlicher Diwan # reloaded", "Good Bye, Eden" und "Songs For Bulgakow" wird das Societaetstheater nun mit einer fünften , wiederum im Sujet und Ausrichtung völlig anderen Produktion für die Idee belohnt, die dynamische Doppelkopf-Compagnie längerfristig ans Haus zu binden. Trotz der technischen Finessen allen gemeinsam ist die Liebe zum körperlich-ehrlichen Theater, das sich dabei nicht in Privatheit oder andere Trivialitäten flüchtet, sondern dem Betrachter immer offensiv auch die Schnittstelle zur gesellschaftlichen Relevanz liefert.“


Legenden vom Ende der Zeit
SAX Stadtmagazin, Dezember 2015
„[...] die Freaks meiden Beliebigkeit wie Klamauk und bieten immer ein körperlich-ehrliches, oft nachdenkliches, manchmal verstörendes Bühnenerlebnis, bei dem Zuschauen und -hören generell Freude macht. Und sie taugen dank packender Musik und unendlichem szenischem Ideenreichtum gut als Theater-Einstiegsdroge für junge Menschen.
Das war bei »Songs.für Bulgakow« so, dass ist nun bei »Loving the Alien« nicht anders. Dazu haben sie sich einen sehr musikalischen Sonderling auf die Bühne geholt [...] ein überbordendes Spiel aus Tanz, Mimik, Text und Gesang [...] mit Eleganz beim Puppenspiel. Eine metaphorisch aufgeladene Performance als Bilderrausch - aber ganz anders als die Bulgakow-Show.“

Flucht in den Weltraum
Dresdens Kunstpreisträger zelebrieren mit „Loving the Alien“ eine Hommage an den Popstar David Bowie.
24.11.2015 Sächsische Zeitung
„Ein Bildkonzert, so kann man das nennen, was der Musiker Sønderling und die Dresdner Theatercompany Freaks und Fremde im Societaetstheater auf die Bühne stellen. [...] Sønderling, das ist der Dresdner Musiker Tobias Herzz Hallbauer, der seine Zuneigung zu David Bowie schon mehrfach auf der Bühne auslebte. Sein Einmann-Elektroorchester schafft einen Klangteppich, aus dem er Lieblingsstücke von Bowie aufsteigen lässt. [...] Die Company Freaks und Fremde wurde im Mai mit dem Dresdner Kunstpreis bedacht. Das ließ aufhorchen, weil diese Ehrung bisher eher für gesetzte, etablierte Künstler als für solche aus der Szene infrage kam. Belohnt wurde damit auch das Streben nach inhaltlicher Relevanz, das die beiden bei aller Verspieltheit in ihren Projekten an den Tag legen. Dabei ist Heiki Ikkola nicht nur Performer, sondern auch künstlerischer Leiter des Schaubudensommers. „Loving the Alien“ hat viel vom Charme der Budendarbietungen, ein Angebot an die Sinne, ein surreales Wechselspiel der Szenen, aber auch eine Fluchtchance aus dem alltäglichen Diskurs.“


Planet der Affen – für Cie. Freaks und Fremde ist »Loving the Alien« ein Kinderspiel
21. November 2015 DRESDNER Kulturmagazin
„Schon die Begrüßung fällt befremdlich aus: Sabine Köhler, Heiki Ikkola und Tobias Herzz Hallbauer alias Sønderling lümmeln an einem Tresen, dem Publikum die kalte Schulter oder besser den Rücken zugewandt. Edward Hoppers »Nighthawks« winken da mal kurz rüber. Da kann gleich ohne großes Vorgeplänkel in die Vollen gegangen werden. Sønderling klemmt seine androgyne Gestalt mit dem blonden Igel und den dunkel geschminkten Lippen hinters Mischpult und gibt für den Rest des Abends den Ton an. Seine Arrangements von Songs David Bowies tragen, Gott sei es gedankt, tatsächlich eigene Handschrift. Auch gesanglich versucht er nicht, Bowie zu imitieren. Wozu auch? Ebenso eigenwillig fällt die Performance von Sabine Köhler und Heiki Ikkola aus. Es wäre vielleicht ein Leichtes gewesen, Bowies Texte einfach zu bebildern. Aber Freaks und Fremde haben eine eigene Meinung. Und mit der landen sie in ihrer neuen Arbeit eben auf der Erde und versuchen den Blick von außen. [...] Der Zuschauer betrachtet dieses Betrachten und betrachtet Werden und betrachtet die Sache selbst. Die liegt zwar bekanntlich im Auge des Betrachters, aber so betrachtet kommt niemand umhin, das Fremde als fremd einfach anzunehmen. Tut man das, geschieht im nächsten Schritt nämlich automatisch etwas ganz Besonderes."

28.03.2016

Friede den Menschen in Lahore!

BBC: "At least 69 people have been killed and scores injured in an explosion at a public park in the eastern Pakistani city of Lahore, officials say. The park was crowded with families, some celebrating Easter. Many victims are said to be women and children. Police told the BBC it appeared to be a suicide bomb. A Pakistan Taliban faction said it carried out the attack. Pakistan's president has condemned the blast and the regional government has announced three days of mourning. All the major hospitals in the area were put on an emergency footing after the blast early on Sunday evening.
The explosion appears to have been at the main gate to the Gulshan-e-Iqbal park in an area where cars are usually left - and a short distance from the children's swings.
One eyewitness said there was chaos, with a stampede starting and children separated from their parents in the rush to escape. ..."

Cie. Freaks und Fremde - Pakistan-Projekt 2019/10

Friede den Menschen in Lahore!!! - In Lahore haben wir drei Monate gelebt und gearbeitet, pulsierende Metropole Pakistans, Kulturmetropole des alten Indien und Hauptstadt des Panjab. Dort steht das größte Puppentheatermuseum Südasiens und unsere Freunde veranstalten dort gegen alle Tendenzen von Angst und terroristische Bestrebungen die herrlichsten Musik- und Theaterfestivals, ein Friedenskonzert an der Grenze zu Indien, das auch die Glaubensgrenzen verwischte. Die Stadt strotzt von Diversität, alle Spielarten des Islam finden sich dort, besonders der lebensfrohe und tolerante Volksislam der Sufis ist dort Zuhause. Christen leben dort ebenso eingebunden, die pakistanische Fahne ist zu zwei Dritteln grün, was für den Islam aller Spielarten steht, ein Drittel ist weiß, was für alle anderen Glaubensgemeinschaften steht, die in Pakistan willkommen sind. Das ertragen die verblendeten Terroristen nicht: dass die islamische Republik allen Glaubensrichtungen eine friedliche Heimstatt bietet. Die meisten Pakistaner, insbesondere die Menschen in der Stadt Lahore, lieben genau dafür ihr Land, sehen nostalgisch zurück in die Jahre, als das Strassenleben blühte, das sich vor Angst immer mehr hinter Mauern, in Karossen und gated areas verschanzt.
Als wir dort waren, gab es auch Anschläge auf Märkten, die Menschen sind es leid... Und sie sind es leid, dass die Verbrecher sich den Islam auf die Fahnen schreiben. Die Einsätze der US-Army im Land, die dort auch als Terroreinsätze wahrgenommen wurden, haben die Lage immer nur verschärft. Die angebliche Exekution Bin Ladens hat vielleicht für die Amerkaner einen symbolischen Wert, den Frieden hat diese Aktion nicht gebracht, sie war nicht mal ein Schritt in diese Richtung. Die Menschen von Lahore wollen nichts hören vom sogenannten islamistischen Terror, sie wollen, dass die Welt diese Verbrecher bei den rechten Namen nennt: Kriminelle! Terroristen! Zerstörer! - Brüssel, Paris, Lahore, Mumbay .... Die Verbohrten schlagen dort zu, wo das Leben bunt ist, wo Mischgesellschaften florieren, große Frauenpräsenz auf den Strassen, liberale Werte, Glaubensvielfalt, Musik und Tanz sind Teil des Lebens .... Ich kann nur immer wieder Klaus Theweleit zitieren: "Weiter leben - weitermischen! Bis die Entmischer nicht mehr hinterherkommen." Lasst Euch nicht verängstigen, versteckt Euch nicht, sonst obsiegen die Entmischer. - Friede den Menschen im alten Lahore, in Brüssel, in Paris, in Teheran, in Medellin, Bogotá, Cali, Lissabon, Wien, Dresden, Berlin, Sydney, Bangalore, Hyderabad, Khabarovsk, .... ! Our love to Saadaan Peerzada, Mirela Peerzada, Salmaan Peerzada, Zain Peerzada, Yamina Peerzada, Zain Adil, .....

21.03.2016

ZUGVÖGEL - Societaetstheater 23./24.03.2016

ZUGVÖGEL 

Hommage an menschen auf der flucht

Am 23./24.März 2016 / 20.00 Uhr 
Societaetstheater Dresden

26.März 2016 / 10.30 UHR
Paul-Wunderlich-Haus Eberswalde 

https://vimeo.com/161468645
Klick: Trailer

Seit zwei Jahren recherchiert die Cie. Freaks und Fremde zum Thema Flucht und sammelt Geschichten von Menschen aus aller Welt, die ihre Heimat verlassen haben. Die Gründe loszugehen sind unterschiedlich, immer aber ist der Weggang mit Schmerz und zweifelnden Fragen an die Zukunft verbunden.
Zusammen mit der deutsch-israelischen Schauspielerin Ariella Hirshfeld, dem ivorischen Schauspieler Momo Ekissi, dem iranischen Schauspieler Shahab Anousha und dem britischen Musiker und Komponisten Daniel Williams entsteht ein poetisches Kaleidoskop von Porträts.
Menschen erinnern sich, rollen ihre Geschichten vor uns aus und suchen Halt.
Die Inszenierung setzt die Arbeit zum Thema Flucht fort, die 2014 gemeinsam mit dem Freiburger Cargo-Theater startete. Boris Gruhl schrieb im "Sonntag" dazu: "Ein wichtiges Stück zur rechten Zeit. Hier wird kein Zeigefinger erhoben, hier wird sogar herzhaft gelacht, hier wird gestaunt über die Bildkraft dieser Inszenierung von Heiki Ikkola. Er mischt die Formen des Theaters gekonnt, das Lachen und das Weinen sind nahe beieinander, eben noch zärtliche Klänge der Erinnerung, dann harte Befehlstöne aus Lautsprechern und lautes Hundegebell. Keine dieser Reisen kommt ans Ziel."
Im Rahmen der Initiative #WOD Weltoffenes Dresden.



 Das Team

Darsteller/innen: Ariella Hiershfeld, Shahab Anousha, Momo Ekissi
Musik: Daniel Williams
Regie: Heiki Ikkola
Licht: Beate Oxenfahrt

17.03.2016

ENTE, TOD UND TULPE in Berlin und Zollbrücke

ENTE, TOD UND TULPE nach dem Buch von Wolf Erlbruch.
Nach einiger Zeit Enthaltung ist diese wunderbare Inszenierung, die in Zusammenarbeit mit dem Theater Couturier Berlin entstand wieder zu sehen. Zwei Spieler, zwei Puppen, drei Schnüre, eine Waschschüssel und eine geniale Musikerin bringen das schlichte, berührende und philosophische Buch von Wolf Erlbruch kongenial auf die Bühne. 
18./19.März 2016 um 19.00 Uhr 
Schaubude Berlin
20.März 2016 um 16.00 Uhr 
Theater Am Rand Zollbrücke

Regie: Jörg Lehmann 
Musik: Marie Elsa Drelon
Puppen: Sabine Köhler 
Kostüm: Gabi Keuneke
Lichtdesign: Klaus Dust / Josia Werth
Produktionsfotos: Markus Lieberenz 
Spiel: Martina Couturier und Heiki Ikkola
Produktion: Theater Couturier
Vielen Dank an das Weite Theater Berlin, die Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” Berlin, an Wolf Erlbruch, Oleg Zhukowski, Markus Joss und Jürgen Becker.
Die Inszenierung erhielt den Ikarus-Theaterpreis Berlin und war beim Augenblickmal-Festival Berlin als eine der herausragendsten fünf deutschsprachigen Inszenierungen für Kinder zu sehen. Gastspiele führten die Inszenierung zu Theatern und Festivals in ganz Deutschland, in die Schweiz, nach Österreich, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, Russland und Indien. 
PRESSERESONANZ
“Mit Gevatter ist gut gründeln. … Die Ente ist so groß, wie der Arm von Puppenspieler Heiki Ikkola lang ist, sie ist ein schlankes Tier mit langem Hals und entschlossenem Schnabel. Mit seiner Mimik unterstreicht Ikkola die ausgelassenen Bewegungen der Entenpuppe, die er in die Plastikschüssel, also den Teich, taucht. Ein roter Faden, der quer über die Bühne gespannt ist, stellt die Wasseroberfläche dar, unter der die Ente ausgiebig gründelt. Nichts ist anfangs zu spüren von dem traurigen Thema, um das es in dem Kinderbuch “Ente, Tod und Tulpe” von Wolf Erlbruch geht. Martina Couturier und Heiki Ikkola nähern sich seiner Umsetzung behutsam dem Thema Sterben und macht es im Stück für Kinder ab fünf Jahren verständlich. Bis der lauernde Tod wirklich auftritt, sehen sie der Ente beim Skelett, vor dem sich ein kleiner Junge vor der Aufführung noch fürchtete. – Die Ente kostet ihr Leben aus und zeigt dem Tod, wie das geht. Er muss mit ihr gründeln, und als er danach vor Kälte zittert, reibt ihn die Ente trocken und kuschelt sich an ihn, um ihn zu wärmen. … Und als sie dem Tod Urlaubsbilder zeigt – Ente auf Eiffelturm, Ente am Meer – ist auf jedem Foto auch der kleine karierte Kittel zu sehen. Der Tod war immer da. Musikalisch zart untermalt werden die vielen schönen Szenen dieses Stückes von Marie Elsa Drelon. – Am Ende wärmt der Tod die Ente, wiegt sie in seinen Armen. “Jetzt ist die Ente gestorben”, sagt ein kleines Mädchen. Es klingt nicht traurig, eher nach ’so ist das Leben’. Als letztes ist ein Diabild zu sehen: die Ente am Strand, den Schnabel im Wind. Das Leben nach dem Tod als ewiger Tag am Meer.” (Berliner Zeitung)
“Eine der schönsten Inszenierungen der Saison.” (Zitty)
“Tatsächlich genügen Schau- und Puppenspieler Heiki Ikkola wenige Minuten und Handgriffe, um die Stoffente auf seinem Arm plastisch werden zu lassen – nicht als irgendwie archetypisches Entenklischee, sondern beglückenderweise als echte Individualistin, die einen mit ihren tierischen Macken genauso in den Bann zieht wie mit ihrer infektiösen Leichtigkeit des Seins. … Zum anderen vermag die Produktion aufgrund ihres ästhetischen Zugriffs zu überzeugen. Ganz selbstverständlich auf ihre jungen Zuschauer vertrauend und ohne also überflüssige Erklärungen abzugeben, changieren die Akteure hier zwischen Schau- und Puppenspiel. … Diese ästhetische Entscheidung, statt Illusionstheater zu spielen jeden Handgriff und damit auch jede Emotion auf der Bühne als hergestellt zu zeigen, ermöglicht den Zuschauern zum einen die nötige die Distanz, um aus der Identifikation immer mal wieder zum angesichts des Theams tröstlich entlastenden Draufblick zu gelangen. Gleichzeitig wird, ganz spielerisch und angenehm beiläufig, die Genrevielfalt des Mediums mitsamt der Bühnentechnik offen gelegt. Schauspiel, Puppenspiel, Musik: Alles Theater, sagt diese Produktion. Und was für welches!” (Nachtkritik von Christine Wahl)
“Ganz einfach sind die Mittel, mit denen Martina Couturier und Heiki Ikkola schon Fünfjährigen die Endlichkeit allen Lebens vermitteln: Zwei Handpuppen, ein paar Seile, ein Halbdutzend Requisiten, mehr brauchen die beiden Darsteller nicht, um die behutsame Annäherung zwischen der lebenslustigen Ente und dem gar nicht so furchtbaren Tod zu schildern.” (Website des Goethe Instituts)

09.03.2016

"El Viaje - Die Reise" / 12.-13.03.2016 @ Teatro El Parque Bogotá

Cie. Freaks und Fremde / JuWie Dance Company 
präsentieren:
EL VIAJE - DIE REISE


Auf unserer zweimonatigen Theaterexpedition durch Kolumbien haben wir Geschichten, Lieder, Gesichter und Eindrücke gesammelt, aus denen in den nächsten Monaten in Deutschland das Theaterstück "Auf der Suche nach Eldorado" entstehen wird.
Als Dankeschön für all unsere Gastgeber, Freunde, Kollegen und Menschen, denen wir hier begegnet sind, haben wir in kurzer Probenzeit das Stück "El Viaje - Die Reise" kreiert  - die ersten Reiseeindrücke in einem Theaterstück für Menschen aller Generationen.

Das Team:
Sabine Köhler, Heiki Ikkola, Dirk Neumann - Performance
Jule Oeft, Yamile Navarro - Tanz
Daniel Williams - Musik
Josia Werth - Licht

Ein kleiner Wegweiser durch unsere Theateraufführung:

BOGOTÀ
Start und Ankunft. Der Kreis schließt sich. 
Die ersten Begegnungen und viele Fragen.

GUATAVITA
Ausgangspunkt unserer Suche nach dem Eldorado. 
Eine alte Geschichte.

EL HOMBRE
Unser ständiger Begleiter in den Bergen, an Wasserfällen, Seen, im Dschungel, auf dem Meer. Dabei ist er Menschen begegnet, die mit ihm geredet, getanzt und gesprochen haben.

MOMPOX
Eine alte Stadt mit großer Geschichte am Rio Magdalena. Der Fluss führt wenig Wasser, am Strand und im Wasser tummeln sich viele junge Menschen, auch wenn alles voller Müll ist. Das Thema Plastikmüll begleitet uns .... Hat Kolumbien eine Chance, sich der Plastiklawine zu erwehren und ein Land der Alternativen zu werden? Es gibt ein paar Menschen, die haben damit bereits begonnen:

LAS GAVIOTAS
Ein utopischer Ort in den Llanos. Der Begründer Paolo Lugari gibt uns ein herzliches Interview über Nachhaltigkeit, alternative Techniken, Energien und den Wahnsinn, in der Wüste 3 Millionen Bäume zu pflanzen.

MONGUI
ist ein kleiner Ort am "Haus der Sonne", in dem Kolumbiens Fussbälle hergestellt werden. Ostern und Geburtstage begeht man gemeinsam, jeder bringt etwas mit. Wenn ein Haus gebaut wird, ein Tier geschlachtet wird, hilft man sind - und man teilt seine Pausenbrote ...

ALBANIA
ist die Stadt am größten Steinkohle-Tagebau der Welt - 300.000 Tonnen Kohle für Elektrizität in Europa, z.B. Deutschland. Gemeinschaften der Wayúu, die einst dort lebten, wurden in unfruchtbare Gegenden ohne Wasser umgesiedelt. 
Ein große Wunde in der Landschaft.

CABO DE LA VELA
In unserem Hängematten-Lager waren die Wayúu-Frauen und -Kinder um uns - ihre Geschichten, Fragen, ihr Staunen: "Alemania - esta lejo ..."
El Hombre war manchen nicht ganz geheuer, Magie? Ist er in Dämon?

SIERRA NEVADA DE LA SANTA MARTA
In den Nachtlagern auf unserem Weg nach der Ciudad Perdida Teyuna wehten Schatten, Geräusche und alte Geschichte durch unsere Moskito-Netze.

SAN CIPRIANO
Mit einer Motorrad-Kutsche auf einem alten Bahngleis kommt man dorthin. Durch den Ort ging ein Lied, das wir nicht vergessen: "Lancherito, lancherito, lancherito de la mar ..."

BUENAVENTURA
Alle zehn Tage legt die Valois Mar ab und steuert die Orte im Chocó an - Nuqui, Coqui, Arusi. Alles, was die Menschen brauchen, kommt auf diesem alten Kutter dorthin. Eine gute Gelegenheit, sich zu fragen, was man denn zum Leben wirklich braucht.

COQUI
Ein entlegenes lebendiges Dorf am Pazifik. Auf unserem Heimweg ueber den Strand treffen wir jeden Abend unzaehlige Krebse und Krabben an, die ihre geheimen Schriftzuege in den Sand zeichnen...

"We are the Elder Brothers.
 We have not forgotten the old ways ...
 We still know how to dance.
 We have forgotten nothing.
 We know how to bless the world
 and make it flourish ..."
(Kogui-priest voted in: "Ereira" 1990 / Warwick Bray "Gold, Stone and Ideology - Symbols Of Power In The Tayrona-Tradition Of Northern Colombia)




ELDORADO Reiseblog#22 / Coqui

27.02.2016 / Coqui

Coqui ist ein Dorf mit 60 Familien, ruhig und gelassen, Cruz' größter Traum überrascht uns etwas. Doch am nächsten Tag kann ich sie verstehen - von Donnerstag bis Freitag läuft unglaublich laut Musik, Leute sitzen bei Bier und Aguardiente um eine völlig übersteuerte Lautsprecherbox herum - langes Wochenende, jeder Woche - Musik Tag und Nacht. Da kann sich niemand entziehen, die Musik ist in allen Küchen und Häusern, das Stromaggregat gibt alles ... Ich verstehe Cruz und ihren Wunsch, abseits des Dorfes zu leben und stelle mir vor, wie sie allein dort draussen in ihrer Cabanja wohnt, mit ihren Tieren spricht und aufs Meer rausschaut.
Als sie uns von ihrem Traum berichtet, bemerkt Dirk, wie Jesenja, die jüngere Gehilfin von Cruz, in der Küchenluke lehnt und ihren eigenen Träumen nachhängt - ja, sie hat auch einen großen Traum: sie möchte ihre Ausbildung als Security-Frau machen. Doch dafür bräuchte sie Geld, sie braucht einen Job, am besten in Bogotá und sie fragt uns, ob wir ihr nicht helfen können. Es wäre schön, wenn ich da was wüßte, verspreche ihr auch bei unseren Bekannten in Bogotá zu fragen - aber alle wollen in die Stadt ungelernte Arbeitskräfte gibt es zahllos ... Auch in Deutschland würde sie arbeiten und gerne unsere Sprache sprechen ... ja, wo ist es also, das Paradies - wo ist Eldorado?



Wir ernten unsere erste Kokosnuss. Wie die ersten Menschen stehen wir vor der Palme, oben die Nüsse und hier unten wir - wie kommen wir zusammen? Die Leute hier haben mit der Machete Kerben in die Stämme geschlagen, an denen geübte Kletterer bis zur Krone steigen ... vier Meter - weiter komme ich nicht ... aber bis zu den Nüssen ist es nochmal so weit. Dann versuchen wir es mit Wurftechniken - schließlich mit langen Stangen ... Als wir endlich Frucht haben, kommen wir ihr mit einer Axt und Messern - uns fehlt die praktische Machete. Als wir schließlich das Kokoswasser trinken und das Fleisch herausschneiden, ist es wie eine Neuentdeckung und sehr köstlich. (Ich muss unweigerlich an den Roman "Imperium" von Christian Kracht denken, dem irgendwelche Idioten Verherrlichung und Nostalgie in Sachen Kolonialgeschichte unterstellt haben.

Cucarachas, Ameisen, Fledermäuse, Salamander, Geckos, Spinnen und jetzt eine beachtliche Boa ... wir teilen unsere "Zimmer" mit einigen Mitbewohnern, die uns Respekt abverlangen ... und die Floskel vom einträchtigen Zusammenleben von Mensch und Tier bekommt eine ganz neue Dimension. Die Schlange im Dach über unseren Köpfen beunruhigt uns jedenfalls noch sehr lange. Dennoch habe ich so angenehm geschlafen wie lange nicht.


Das Niedrigwasser hat den Strand kilometerweit freigelegt, die Flussmündung von Coqui ist gekappt, ein paar Reiher tümmeln sich in einer Pfütze um einen Fischkadaver herum., von weit her gehen zwei Frauen unter einem Sonnenschirm durchs endlose Marschland, in das die Wellen ihre Muster gezeichnet haben, ein paar Krebse irren wie Flipperkugeln rätselhaften Linien folgend von Loch zu Loch, die sie sich Sand gegraben haben.
Checa hat uns nach Jovi gebracht - und wenn immer wenn von Jovi die Rede war, tönte es wohlklingend: "El Rio ..." - auch der Jovi-Fluss führt derzeit wenig Wasser, Verano und El Ninjo haben das Wasser knapp gemacht, auch wenn hier von wirklicher Wasserknappheit nicht die Rede sein kann. - Doch die Menschen hier haben ihre Erfahrungen und sie wissen, was es braucht, damit die Diversität hier erhalten bleibt.
Als wir mit dem Einbaum flussaufwärts fahren, müssen wir öfter aussteigen und laufen. Die umstehenden Pichindé-Bäume lehnen sich zu einem Tunnel über den Fluss, um ihn zu kühlen und vor Verdunstung zu schützen... Die Einbäume und ihre Eleganz sind faszinierend, unglaublich dünnwändig sind sie gefertigt und bieten viel Platz.



08.03.2016

ELDORADO Reiseblog#21 / Coqui

25.02.2016 / Nuqui ,Coqui

Alles liegt noch in den Betten und alles ist in satten Regen gehüllt, der Boden und die Pflanzen saufen das Wasser in sich auf. Auch hier in einer der regenreichsten Regionen der Welt hat El Ninjo in den letzten Wochen für einen Mangel an Wasser gesorgt. - Gewittergrollen läßt den Boden vibrieren.
Heute ist Jules 26.Geburtstag - die Vögel feiern schon mal und tschilpen , schreien, piepen, krächzen in den Regen hinein.


Wir rasen in einem Motorboot übers Meer und erreichen die Bucht von Coqui, fahren dich an den Strand und hieven unsere fetten Rucksäcke aus dem Boot, um durchs hüfttiefe Wasser an Land zu waten. Noch im Wasser stehend bezahlen wir die Überfahrt und das Boot düst weiter nach Guachalita und Arusi.
Als wir das Land erreichen, kommt uns über den weiten von der Ebbe leergeschwemmten Strand ein Mann mit einer Machete entgegen. Offenbar ist ihm klar, dass das einen irgendwie kriegerischen Eindruck macht und er ruft uns zu, dass wir uns keine Sorgen machen sollen wegen der Machete. Wahrscheinlich hätte ich mir auch nichts weiter dabei gedacht, mir wurde die Situation auch erst durch seinen Ruf bewusst. Schießlich sind die Macheten hier allgegenwärtig ... Im Bus von Calí nach Buenaventura lagen zum Beispiel siebzig davon eng eng verschnürt im Mittelgang. Viele Menschen laufen damit herum - gerade auf dem Land arbeiten und hantieren viele Menschen damit. In der Sierra Nevada liefen fünfjährige Jungs mit Macheten herum, Frauen bearbeiten damit Obst und Gemüse ....



26.02.2016 / Coqui

Checa führt uns, begleitet von seinem schlappohrigen Hund am Strand entlang zu unserer Cabanja, die jetzt für eine Woche unsere Bleibe ist. Ankunft im Paradies. Der Palmenwald reicht bis ans Meer, die Cabanja steht wie dort eingewachsen am Wald, wenige Meter in unserem Rücken erstreckt ein großes Mangrovengebiet, das den Fluss säumt. 
Im Dorf, dass einige Minuten entfernt ist, bekochen uns Cruzmelia und Jesenja, im Haus der Gastgeber gegenüber der kleinen Kirche. Hier gibt es auch an einige Stunden abends Strom, während wir unsere Cabanja mit Kerzen beleuchten.
Auf der kleinen Strasse von Coqui sitzen drei Männer und trinken Schnaps, die Frauen haben sich auf dem Dorfplatz zum Bingo zusammengehockt.
Nach dem Abendessen machen wir uns am Strand, der hier die Hauptverkehrsader ist, durch die Dunkelheit auf den Weg in unser Haus, kleine Krebse huschen in Massen über den Strand und sind von unseren Taschenlampen aufgebracht.


Cruz hat eine Geburtstagtorte gebacken! - In der Feierstimmung verraten uns die beiden Frauen ihren größten Traum. Cruz will sich gern abseits des Dorfes auch so eine Cabanja bauen, dort ihre Ruhe haben und Tiere halten. - Jesenja will eine Ausbildung als Security-Frau machen. Und sie will gut mit sich sein, um gut mit anderen zu sein.

Das Wasser in den Backwaters ist noch nicht hoch genug für die geplante Kahnfahrt durch die Mangroven, wir müssen morgen gleich ganz früh los, um das Vormittagshochwasser auszunutzen. Wir lernen überhaupt ein wenig, uns nach Ebbe und Flut zu richten, denn unsere Cabanja ist ja nur über den Strand zu erreichen, manche Flussmündungen der Gegend sind nur bei Ebbe zu passieren. Wir wandern zur nächsten Mündung nach Norden, sammeln unterwegs etliche Dinge, die uns gefallen, am Strand - Inspirationen für Masken, Figuren oder einfach skurrlie Objekte, Krabben und Krebse kreuzen aufgeregt unseren Weg - manchmal wie kleine rote Truppen auf dem Übungsplatz. Eine von ihnen flieht nicht vor uns und wir beobachten ihr Tun aus der Nähe; sie schreibt eine Nachricht, ein Muster in den Sand, ... Botschaften, vergängliche Geschichten, die den ganzen Strand bedecken und on den Wellen mit der nächsten Flut fortgespült werden.


06.03.2016

ELDORADO Reiseblog#20 / Buenaventura, Nuqui

24.02.2016 / Bucht vor Arusi

Hafenausfahrt Buenaventura

Vor am Paradies, seit Stunden in der Bucht vor Arusi. Unser Schiff, die Valois Mar, bringt Fracht für die Orte an der Küste, die von kleinen Motorbooten, Lanchas, abgeholt und im Wellengang verladen werden - Ziegelsteine, Zement, Wellblech, Zwiebeln, Mehl, Reis, Kartoffeln, Gemüse, Baustahl, ein Motorrad, ein Fahrrad, Kühltruhen, einen Außenbordmotor, eine Schubkarre, Coca Cola, Bier, 15 Schweine, Hühner und allerhand Kram, der in seiner Verpackung nicht zu erkennen ist. Die Lancha-Fahrer kommen an Deck, jeder sucht seinen Kram und dabei steigt ein Gewusel von Männern über die Fracht der anderen, dabei geht auch mal was zu Bruch. Gigo, der Chef, bleibt gelassen, auch wenn sich die Sache hinzieht, ab und an läßt er sich den kleinen Pappkarton mit den Lieferscheinen reichen und steckt die Geldscheine in die Hosentasche, die er für die gelieferte Fracht zugesteckt bekommt. Aus den beiden Fachträumen, aus den Gängen, vom Vorschiff werden Ziegelsteine geholt und in die kleinen Boote gestapelt. Wir schaukeln noch ein paar Stunden herum, obwohl Nuqui schon in der übernächsten Bucht ist. Mit uns warten die 15 Schweine, die im Vorderschiff untergebracht sind.


Buenaventura und das Hafenviertel waren an diesem Dienstag nicht zu vergleichen mit der veregneten Gruselstadt von letzter Woche, die Sonne schien und das mittägliche Treiben war groß ... nach ein paar Stunden Frachtstapeln machten wir uns auf das Schiff und auf die Reise - zunächst durch die dreckige Hafenbucht von Buenaventura, vorbei an den maroden Stadt-Vierteln und Containern mit Fracht aus China und Hamburg-Süd, Plastikmüll-Teppiche treiben an uns vorbei, neben den Anlegern modert Abfall, zusammengebrochene Boote und derlei Kram. Ein Containerschiff kreuzt die Bucht, groß wie eine Stadt.   


Zwei Frauen bekochen die ganze Besatzung, alle schaufeln genüßlich das Essen in sich hinein, es wird gelacht und gequatscht. Manche werfen das Einweg-Plastikgeschirr, das die Leute bekommen, die nicht zur festen Crew gehören, nach dem Essen über -- ich kapier das nicht - mit der Drecksbucht von Buenaventura und diesen unberührten Küsten von Chocó haben die Menschen das "Vorher" und "Nachher" doch so deutlich vor Augen. Keine Ahnung - ich weiß ja auch nicht, wo der Kram landet, den wir in die Mülltonne schmeißen ...
Zwischenzeitlich lese ich weiter bei Harald Welzer ... manche Absätze erscheinen wie aktuelle Kommentare zu unseren Beobachtungen. (Allein die schwierige Frage nach der individuellen Verantwortung ... Was bringt es, in einem Zug, der in die falsche Richtung fährt, in die andere Richtung zu laufen? ...) Sind die Probleme auf der individuellen Verhaltensebene und mit moralischen Kategorien zu bewältigen? Welzer bezweifelt das, Moral und Kategorien wie Selbstsucht und Rücksichtslosigkeit spielen beim Agieren von Staaten keine Rolle, auch wenn die in ihm organisierten Individuen höchste moralische Ansprüche haben. Dekliniert man sich unsere Gesellschaft zum Beispiel auf ein Individuum herunter, "hätte man dagegen sofort eine soziopathische Person vor Augen, die nicht das mindeste Problem damit hat, das 70-fache aller anderen Personen zu verdienen und trotzdem in erheblichem Umfang deren Rohstoffe zu konsumieren, die deshalb das 15-fache an Energie, Wasser und Nahrungsmittel verbraucht und im Vergleich zu weniger begünstigten Personen das 9-fache an Schadstoffen wieder an die Umwelt abgibt. Diese soziopathische Person ist darüber hinaus kategorisch uninteressiert an den Lebensbedingungen ihrer Kinder und Enkel und nimmt bei all dem in Kauf, dass wegen ihm und seinesgleichen weltweit 852 Millionen Menschen hungern und über 20 Millionen Menschen auf der Flucht sind. - Einen solchen Menschen würde man nach allen normativen Kriterien für sozial nicht integrierbar halten, einfach gesprochen für einen gefährlichen Schmarotzer." (Weiterlesen bei: Harald Welzer "Klimakriege")  



24.02.2016 / Nuqui

Das Verfrachten in den verschiedenen Buchten hat einen ganzen Tag gebraucht, der Tag neigt sich dem Ende zu, als die Valois Mar langsam in den Bodden von Nuqui einfährt, beschirmt von Felsen und kleinen vorgelagerten Riffen, alles ist mit Mangroven bewachsen, die Häuser den auf Stützen, viele aus Holz, aber es ist ein Generationswechsel im Gange zu Stein und Beton ... Eine Menschenmenge begrüßt das Schiff am Anleger, Boote kommen heran. Kaum ist das Boot festgemacht, beginnt ein wildes Gewusel, lautstarke Suche nach der Ware, die einem gehört, zwei Jungen hieven die quiekenden Schweine in ein kleines Boot. Gigo steht mit seinem kleinen Rucksack über der Schulter gelassen und zufrieden am Anleger, sein Geschäft läuft ... er schickt uns mit einer Frau mit, die uns den Weg zu unserer Unterkunft weist. Auf der Strasse rufen ihr Bekannte nach - "Ich rede nicht mit Schwarzen!", ruft sie lachend und die anderen lachen zurück. - Wir sind in Chocó - das Herz von Afrokolumbien!



05.03.2016

ELDORADO Reiseblog#19 / Calí

02.03.2016 / Rückblick Calí (20.Februar)

Jule hatte während unserer Reise die ganze Zeit mit Angelica aus Calkí Kontakt gehalten, die bei unserem Workshop in Bogotá dabei war. Sie arbeitet mit einer Theatercompagnie in Calí und hat uns eingeladen, sie zu besuchen.
Wir verabreden uns zum Mittag und dann für den Abend zu einer Probe der Theatergruppe. - Treffpunkt ist die Bar Baco und es wird nich recht klar, wann eigentlich das Theater beginnt, was inszeniert iat, und was hier ohnehin passiert. Die Bar wird betrieben von zwei alten Herren, Luis und Alirio, sie bieten Cerveza an und zeigen mir Bilder an der Wanf, auf denen ein altes Calí zu sehen ist, unter anderem das Gebäude Alférez Real, das tags zuvor in der Theateraufführung im Teatro La Mascara die "Hauptrolle" spielte, zudem sind etliche Stierkampfbilder zu sehen. 


Der Chef der Theatergruppe verweist uns auf das eine oder andere Bild, stllt uns eher beiläufig die alten Herren vor und bittet uns noch um etwas Geduld, bevor es losgeht, alles ist irgendwie merkwürdig, auch geheimnivoll, es läuft Musik aus dem Cali der Fünfziger, hinter dem Tresen ist die kapitale Plattensammlung zu sehen. Wenn man mal aufs Klo will, wird herumgedruckst, und im Vorraum der Toilette sitzen fünf Menschen an spärlich beleuchteten Schreibmaschinen ... Irgendwann holt uns der Theaterchef endlich an einen Tisch zusammen, die Leute aus dem Hinterzimmer verlassen unterdessen das Lokal; er packt ein Domino-Spiel auf den Tisch ... erzählt kurz, dass es an diesem Abend um Erinnerungen, um Kindheit und die Vergangenheit in diesem Teil der Stadt geht. Er hat die Kneipe als Ausgangspunkt gewählt, weil hier, wo jetzt die Hauptverkehrsstrasse entlang läuft, früher einmal das Umland Calís begann - Fincas und Landschaft ...und weil die beiden alten Herren lebendige Geschichte sind und wirklich eine Menge zu erzählen haben, wenn es um Erinnerungen und Vergangenheit geht. (Später erzählt uns Yamile, dass beide einmal Stierkämpfer waren. Beide haben ihr ihre Finca angeboten, wenn sie einen der Herren erwählen würde, um mit ihm den Lebensabend zu verbringen. Sie konkurrierten beide miteinander und der eine von beiden trumpft damit auf, dass er ja zwei Fincas besitzt - Yamile muss sich entscheiden ... es wurde gelost ... Aber offensichtlich ist Yamile mit uns weiter gefahren ... und die Fincas werden wohl noch anderen Damen angeboten werden ...)
Dann spielten wir Domino, schließlich "verstecktes" Domino, eine Erfindung unseres Gastgebers, bei dem die vorherigen Steine verdeckt werden - wir stellen uns vor, wer die unteren Steine sind, wenn wir die jeweils neuen sind. So gleiten wir vom Spiel langsam ins Thema Erinnerungen. Er bittet uns in den ominösen Raum mit den Schreibmaschinen, die nun unbesetzt sind. Jeder von uns schreibt einen Brief an eine Person der Vergangenheit, um sie etwas wichtiges zu fragen ....
Als die Briefe fertig sind, schickt er uns auf die Reise - wir folgen einem Schulmädchen über die Brücke, sie läßt uns kurz an ihren Kopfhörern lauschen und tanzt uns voraus, bis sie plötzlich wegflitzt und wir, ihr folgend, bei einer Strassenverkäuferin mit einem Sprachfehler landen. Anscheinend verkauft sie Telefonminuten, aber uns füllt sie Tüten mit den Süßigkeiten  ihrer Kindheit und weiß zu jeder eine Geschichte zu erzählen. Neben ihr sitzt auf einem Stuhl ein Mann, der keine Miene verzieht, ihr Vater - er nickt uns kurz zu. Dann bekommen wir einen Schlüssel und eine Adresse, und folgen einem Jungen mit Fahrrad. Wir kommen an ein Haus - finden Schatzkästchen, zu denen unsere Schlüssel passen - Fotos. Es gibt die Geschichte eines Kleides, ein Kind, das seiner Mutter immer dazwischenfunkt, dann ein Spieltisch - irgendwas zwischen Puppenfriedhof und Eisenbahnplatte, es gab Omas Kartoffelsuppe ... es ging mit verbundenen Augen durch unsicheres Terrain, nur unsere Schritte im trockenen Laub waren zu hören - wir standen vor Gräbern und am Ende feierten wir Geburtstag ....           


22.02.2016

ELDORADO Reiseblog #18 / Cali

22.02.2016 / Cali


Noch immer sitzen wir in Calí, und ohne sie mit allzu viel Erwartungen belegen, überrascht uns die Stadt. Und dann kam heute endlich eine konkrete Nachricht aus Buenaventura - das Boot nach Nuqui läuft morgen um 14.00 Uhr aus - genug Zeit, um morgen vormittag mit dem Bus zu fahren.


Yamile on Calí:
Calí, you might not like it at first (I totally freaked out). But, the longer you stay (and you might stay longer than expected), the more it bores deep in your heart. Because of its people, full of contradictions, like the city, like the land.
La variedad es tan grande como el territorio colombiano y su salsa también. Cali ist eine Soße, una salsa. If there are many ways of dancing as there is people imagine it's Salsa. What makes me think:
- Is dance/art a reflexion of its land?
- How much influence is there, from the land, to a person, to the art? And what about the people without land, without roots, what about the art?
- Que tan fuerte es el vinculo entre el lugar de nacimiento de una persona y el volar?
The Koguis they don't write words, the speak, pass their knowledge through tongue. When the last Kogui dies, their knowledge will disappear with them - "por que, las palabras se las lleva el viento" - and its okay.
In the Amazonas the people claw signs in stone.
In Medellin people claw on their walls, on their homes, on their roofs.
And in Calí - people dance. Salsa, Rumba, Vallenato, Cumbia, Pachanga, Danón, Milonga, Tango ... y lo que aún no tiene nombre ... what ever dance, they dance with a clear mind of a free soul.



ELDORADO Reiseblog #17 / Calí

18.02.2016 / Calí

Noch immer keine klare Ansage aus Buenaventura wegen der Bootsfahrt nach Nuqui. Wir denken mittlerweile schon über Alternativen nach - weiter nach Süden, ins Amazonas-Gebiet? Zunächst mal nach Calí, von dort ist Buenaventura noch gut zu erreichen, wenn wir eine Nachricht bekommen.
Wir brechen in San Cipriano auf, nachdem wir am Vorabend wieder bei der Theaterprobe waren und unsere kleine Aufführung zeigten - wir haben wieder ein wenig Material gesammelt und in meinen Ohren singt es noch: "Lancherito, lancherito, lancherito de la mar ...". 
Wir verabschieden uns von unseren freundlichen Gastleuten - und Maelo, der kleine Frühstückskoch erzählt uns noch seinen größten Traum: zu studieren und Modedesigner zu werden ...
Pichi, unser Moto-Draisinen-Fahrer, bringt uns wieder nach Cordoba. Nachdem eine Holländerin gestern von einem Frontalzusammenprall zweier Gefährte berichtete, war mir gar nicht so wohl, ganz vorn zu sitzen, meine Knie als Stoßdämpfer ...
Die Fahrt nach Calí ist eine Tortur, der Sprinter schaukelt uns wild durch die Kurven und es läuft wieder ein blöder Ballerfilm mit Megalautstärke, in dem irgendein Typ das Weiße Haus in Washington übernehmen will, und damit die Weltherrschaft - logisch, die Guten siegen, Geigenmusik und endlich Ruhe! Mir ist kotzübel von dem Ritt.

19.02.2016 / Calí

Gestern wurde ich an meiner kitschigsten Ader getroffen. Es war ein Workshop mit indigenen Tänzen angekündigt. Es war ein großes Volkstanzen zu verpoppten indigenen Rhythmen. Jeden Donnerstag trifft man sich hier, es tanzen Menschen aller denkbaren Hautfarben zusammen, jeden Alters, jeglicher Statur und sozialer Herkunft! Ich musste unweigerlich an Dresden denken und hatte feuchte Augen. Ich meinte, die ganze Welt könnte jetzt hier zu diesem Kreistanz zusammenkommen. Sabine meinte, ich wäre halt noch nie bei einem Kirchentag gewesen ... keine Ahnung, mich hat das gepackt und für den Moment glücklich gemacht, während ich gestern noch das Heiner-Müller-Zitat in unser Tagebuch kritzelte: "Optimismus ist lediglich ein Mangel an Information".
Weil der Park nachts geschlossen wird, gehen nach der Veranstaltung ein paar Polizisten über den Platz und weisen alle Leute freundlich darauf hin, dass man aufstehen und den Ort langsam räumen müsse - das Projekt "Weltfrieden" wird also vorerst geordnet abgebrochen ...


Salsa-Live-Konzert in der Punto Bare - erstmal Irritation, weil alles voller Tische und Stühle steht und keine Tanzfläche zu sehen ist. Dann lassen wir uns auf das Konzert ein, trinken etwas - und die Power, Lebendigkeit, Lautstärke, Leichtigkeit und Komplexität der Musik sind umwerfend! Allein das Setting: für sechs Bandmitglieder ist gerade so Platz auf der winzigen Bühne - die drei Bläser stehen auf einem Balkon - ein Hauch von Muppet-Show en latino. Der Saal kocht und wippt mit, einige Leute verschaffen sich Platz zum Tanzen. Ein Salsa-Tänzer der älteren Generation tanzt mal mit Yamile und mal mit Jule.
Als die Show vorbei ist und nach Salsa-Musik aus der Konserve läuft, übernimmt Dirk als Salsa-Clown die Szene und strapaziert unser aller Zwerchfell. Schließlich nähert sich ein Herr der alten Schule und weist ihn die Kunst ein, sich nur unterhalb des Bauchnabels zu bewegen und darüber gelassen, stolz und souverän zu bleiben - nimmt sich Sabine, demonstriert seinen Tanzstil und übergibt wieder an Dirk ...
Bevor wir wieder gehen, verbüdert sich Dirk noch mit den eingefleischten Salsa-Spezialisten und wi machen uns auf in unsere Herberge, wo es nachts um halb zwei noch immer kein Wasser gibt. Wasser ist knapp hier derzeit - zeitweilig wird die Versorgung unterbrochen ... 

21.02.2016

ELDORADO Reiseblog #16 / Buenaventura, San Cipriano

Kleiner Zeitsprung - nach Guajira, Palomino, Santa Marta, der fünftägigen Wanderung durch die Nebelwälder der Sierra Nevada de la Santa Marta und den tollen Begegnungen in Medellin, ging es über Nacht nach Buenaventura. Es galt eines der Boote nach Nuqui in Chocó zu bekommen, die immer nur dienstags fahren, wie man uns sagte. Nach den Erzählungen von Os in Bogotá, nach der Ausrichtung unserer ganzen Reise auf dieses Abfahrtsdatum im Hafen von Buenaventura wurde die Überfahrt zu einem wichtigen und aufgeladenen Symbol - Eldorado eben ....


16.02.2016 / Buenaventura

Alle warnen dich: Buenaventura ist die gefährlichste Stadt des Landes - Diebstähle, Überfälle, Schmuggel, Drogenhandel. Eine verruchte Hafenstadt eben, denke ich. Nachdem uns der Bus frühmorgens rausläßt, sind wir alle noch völlig verpeilt.
Zum ersten Mal Regen seit einem Monat. Die feuchtwarmen Tropen schlagen uns entgegen. Noch ehe wir uns irgendwie orientieren, bietet uns ein älterer Gepäckträger an, für uns die nötigen Dinge im Hafen für die Überfahrt nach Nuqui zu klären - dort könnten wir auf keinen Fall ohne Begleitung hingehen, viel zu gefährlich, die umhersitzenden Frauen nicken zustimmend, es wimmelt dort von Banditen.
Hm, gefährlichste Stadt - ich denke, es ist auf jeden Fall eine Stadt, in der eine Menge arme Leute unter widrigsten Bedingungen leben ... Weil hier vor allem Afro-Kolumbianer leben, mutet die Stadt sehr afrikanisch an, was ja für einige Menschen auch schon ein Grund ist, einen Ort als gefährlich einzustufen.
Yamile und ich begeben uns mit dem Mann zum Hafen, in die Gegend, wo die Boote nach Nuqui abfahren sollen, wir sind auf der Suche nach einem Gigi und einem Kutter namens Valois Mar. Das Hafenviertel, in das wir kommen, erscheint mir nicht aus diesem Jahrhundert, ich komme mir vor wie Johnny Depp in "Dead Man", zudem sehe ich die Szenerie durch den Schleier des tropischen Sprühregens, der meine Klamotten schwer, klebrig und klamm macht.
Ich bin ganz froh, dass wir unseren persönlichen Forest Whitaker dabei haben, der uns souverän humpelnd die Dreckstrasse entlang an den maroden Häusern und Toren vorbei führt und sich bei ein paar Leuten von der Black Pearl zu Gigi durchfragt. Ich hätte mich hier echt nicht zurechtgefunden und hinter den Toren wohl kaum die Anleger und unser Boot erwartet. - Jeden Dienstag fahren die Schiffe nach Nuqui, also haben wir es so eingerichtet, am Dienstag hier zu sein. Der Ort hier scheint aber nach einer ganz anderen Logik zu funktionieren.
Als wir über den Zugang durch ein ominöses Tor an einen Steg gelangen, liegt dort die Valois Mar und wird anscheinend beladen, jedenfalls werkeln drei Männer auf dem maroden Stahlding herum. Gigi ist nicht da, der ist mit einem anderen Schiff in Nuqui, Esnoraldo ist gestern mit der Valois Mar angekommen .- fünf  Tage muss das Schiff auf jeden Fall hier liegen, bevor es wieder nach Nuqui aufbricht, die genaue Zeit hängt von der Fracht ab. Irgendwie macht hier auch niemand den Eindruck, dass man Interesse an Passagieren hat, ganz im Gegensatz zu den eifrigen Busunternehmern im ganzen Land. - Die ganze Fixierung auf Chocó und die Abfahrtzeiten der Boote, die unseren Zeitplan die stets bestimmt haben - das löst sich mit einem Mal in Luft auf. Es soll noch Passagier-Schnellboote geben, die auch dienstags fahren, allerdings bereits um sechs Uhr früh, aber wir machen uns dennoch auf zu der fadenscheinigen Agentur - die Frau dort ist auch nicht sehr motiviert - ja Dienstag fahren die Boote, aber heute nicht, nächsten Dienstag wieder, vielleicht auch Sonntag, wenn Gott will. Wir hören aus allem heraus, dass es derzeit an der Küste irgendwelche Auseinandersetzungen an der Küste gibt, die den Bootsverkehr beeinträchtigen. Bei Esnoraldo schnappte ich aus dem superschnellen afrokolumbianischen Spanisch das Wort "la guerra" auf. Fausto, unser Chocó-Kontakt, sagte am Telefon auch so etwas.
Wenn ich durch die Stadt gehe, habe ich eine Vorstellung davon, was die Menschen meinen, wenn sie sagen: der Staat hat Chocó vergessen. Die Häuser sind zum großen Teil verrottet, Schmutz allerorten, der Fluss mit Müll zugeschüttet - an manchen Stellen kann man blühendere Zeiten noch vermuten.  ....
Unsere Reise nach Chocó ist also vertagt - vielleicht am Sonntag, oder Montag, oder Dienstag ... In Buenaventura eine Woche zu warten, gefällt keinem von uns, man bräuchte hier irgendeinen vertrauensvollen Kontakt. Wir suchen einen Ort in der Nähe. Also winken wir ein Jeep-Taxi raus ...


16.02.2016 / San Cipriano

Ein klappriger Taxi-Jeep bringt uns 40 Minuten raus aus der Stadt nach Cordoba, wo sofort ein paar eifrige Typen am Autofenster klemmen und "San Cipriano - conmigo!" rufen. Genau das ist unser Ziel, unter anderem wegen des kuriosen Transports dorthin. Es gibt keine Strasse - nur ein stillgelegtes Eisenbahngleis von etwa 20 km Länge, die Leute hier haben sich ein Transportmittel für den Schienenweg entwickelt. Früher waren es einfache Holzschlitten auf dem Gleis, die mit langen Stäben wir Gondeln angetrieben wurden. Heute wird das große Holzbrett mit Sitzbank und Kugellagern für das Halten der Spur von einem Motorrad angetrieben, das Hinterrad fährt auf einer Schiene und treibt das ganze Gefährt an. Wir sitzen auf den losen Holzbänken und stapeln unser Gepäck.


Das Ding setzt sich in Bewegung und fährt gerade Strecken in einem Affenzahn, wir überfahren zweifelhafte alte Brücken, 15 - 20 Kilometer können einem ganz schön lang werden. Bei Gegenverkehr kommt es darauf an, sich durchzusetzen  - wer mehr geladen hat oder hartnäckiger ist, wird durchgelassen - der andere muss dann entladen und sein Gefährt vom Gleis heben. Wir fahren durch dichtesten Dschungel, zwischendrin tauchen immer mal wieder einzelne Häuser und Hütten auf, vor denen weitere von den skurrilen Gefährten stehen, die sind hier ein unabkömmliches Transportmittel. Wir passieren fünf schwerbewaffnete Soldaten, die freundlich grüßen und erreichen schließlich den Bahnhof von San Cipriano, wo uns Pichi, unser Chauffeur, auch gleich zum Haus seines Cousins bringt, ein kleines Hotel, in dem wir zu fünft ein kleines Zimmer beziehen.
Wir sind klatschnass von der Hitze und dem warmen Sprühregen - mittlerweile stört das gar nicht mehr - alles ist nass und warm um uns - und wir auch...


Pichi führt uns durch den Dschungel - schlickige Wege durch den unfassbaren Regenwald, der Regen hört auf und beginnt wieder, mal führt der Weg durch einen Flusslauf oder wir laufen direkt ein paar hundert Meter durch das Wasser, klares, unglaublich klares Wasser. Wir erreichen ein paar Wasserfälle und baden, obwohl wir ohnehin durch und durch nass sind ... eine Stunde lassen wir uns dann in LKW-Pneus den Fluss hinuntertreiben - was auch die Dorfjugend hier gerne macht.


Eigentlich sollte es morgen nach Calí weitergehen, doch auf der Suche nach einem Tinto sind wir auf eine Tanz-Theater-Probe gestoßen, eine Jugendtheatergruppe probt für einen Auftritt am 08.März - Juga, ein afrokolumbianischer Tanz mit szenischen Einlagen - es ist toll zu sehen, wie wenig man braucht, um Theater zu machen - die überdachte Fläche wird von einer Glühlampe beleuchtet, ein Betonfussboden ... eine Trommel ... zwischendurch Musik vom Smartphone, verstärkt von einer Box - drumherum viele Kinder, wildes Treiben und dennoch schafft es der Musiker, der die Gruppe leitet, die Probenatmosphäre aufrecht zu erhalten und Konzentration zu schaffen. Während wir zuschauen, werden Yamile und Jule von kleinen Mädchen okkupiert, die ihnen die Haare flechten.


Am Ende der Probe holen wir "El Hombre" heraus, deuten ein paar Bewegungen an und stellen uns und unser Projekt vor - morgen um fünf ist wieder Probe und wir sind herzlich eingeladen, etwas von unserer Kunst zu zeigen ... Kunstaustausch im besten Sinne ... die Fahrt nach Calí ist verschoben ...


17.02.2016 / San Cipriano

Ich wache noch vor der Sonne auf und erfrische mich im Fluss, die Wolken sind heute morgen etwas aufgelockert und es regnet noch nicht ...
Als wir gestern durch das Wasser trieben, hatte ich den super banalen Gedanken: eine von den Sachen, die wirklich richtig glücklich machen, ist sauberes Wasser ...
Wenn man direkt von Buenaventura kommt, ist eigentlich unvorstellbar, was hier für kristallklares Wasser fließt ... Dort wird der Fluss mit Müll und Dreck verseucht und ergießt sich ins Meer. Es ist eine unermessliche Kraft, mit der sich die Natur immer wieder entgiftet, reinigt, wächst, ausgleicht, wo "der Mensch" verschmutzt, zerstört und raubt ... Wie lange ist das noch zu schaffen?
Wie lächerlich und von welcher Hybris geleitet mutet es da an, wenn Cerrejón zum Beispiel von "Renaturierung" spricht ...